Pflegepädagogik im Diskurs - PiD: Informationen


 


Die 5. Fachtagung für pflegeberufliche Bildung:
Düsseldorf,
6. März 2015 

 

 

 

Mehr als 230 Teilnehmer besuchten am 6. März 2015 die 5. Fachtagung für pflegeberufliche Bildung “Pflegepädagogik im Diskurs”. Sie stand unter dem Motto 

Pflegeschulen 2020: was kommt da auf uns zu?

und wurde von der BAG Pflegebildung im DBfK gemeinsam mit dem Bildungszentrum des Universitätsklinikums Düsseldorf ausgerichtet.

In ihrem Auftaktreferat formulierte Professorin Dr. Bögemann-Großheim (Fliedner Fachhochschule Düsseldorf) die These, dass heute schon, obwohl das neue Pflegeberufegesetz noch aussteht, viele Schulen generalistisch ausbilden. Bei der Reform sei es jedoch dringlich, im Medium beruflicher Qualifizierung dennoch den Anspruch auf Befähigung der Lernenden zur Selbständigkeit, Mündigkeit und gesellschaftlichen Partizipation an gesellschaftlichen und beruflichen Entwicklungsprozessen einzulösen. Professor Dr. Hockauf (Steinbeis-Hochschule NRW) zeichnete den interdisziplinären Weg der Lernenden von der Erstausbildung bis zur Promotion. Dabei wurde die derzeitige Verschiedenheit der akademischen Bildungswege in den Pflegeberufen deutlich.

Die Vizepräsidentin des DBfK Gertrud Stöcker übte in ihrem Vortrag Kritik an der Politik: zwar erkenne man an, dass ein neues Pflegeberufegesetz notwendig sei, lasse sich aber mit einer Implementierung viel Zeit und nehme damit in Kauf, dass die Pflegeausbildung in Deutschland im Vergleich zu den EU-Partnerländern immer weiter abgehängt werde. Anschließend hatten die Teilnehmenden die Wahl zwischen zwölf Workshops, die ein breites Spektrum der Pflegebildung abdeckten. Die hier gewonnen Impulse konnte dann in der Pause bei Kaffee und Kuchen ausgetauscht werden. 

Die abschließende Podiumsdiskussion eröffnete Dr. Volker Grigutsch, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), mit einem Impulsreferat zum derzeitigen Stand des mit Spannung erwarteten neuen Pflegeberufegesetzes. Er bestätigte den Zeitverzug und bat die Anwesenden noch um Geduld. Während es bei der Finanzierung noch Einigungsbedarf gäbe, sei es hingegen sicher, dass es zu einem vollkommen neuen Berufsbild kommen werde. Als Träger der fachschulischen Ausbildung sei ein Verbund unterschiedlicher Pflegeeinrichtungen möglich. Bei der Regelung einer hochschulischen Pflegeausbildung bemühe man sich um einen Ausgleich verschiedener Interessen, auch zwischen dem Bund und den Ländern. Würde ein solcher Kompromiss nicht zeitnah gelingen, so Dr. Grigutsch, müsste die Regelung im ersten Schritt ausgeklammert werden. Für das BMG machte der Referent klar, dass eine staatliche Prüfung auch für den neuen Pflegeberuf in jedem Fall unverzichtbar sei.

Die Teilnehmenden brachten sich rege in die abschließende Podiumsdiskussion mit den Experten ein. Mit vielen neuen Anregungen für die pädagogische Praxis verließen die Anwesenden schließlich die Fachtagung.


Flyer mit allen Informationen zur PiD-Fachtagung als DOWNLOAD 

 
Programmübersicht (Stand 4.12.2014)

9.15-9.30 Uhr                                

 

Eröffnung                       

 

Grußworte

  • Torsten Rantzsch, Vorstand und Pflegedirektor Universitätsklinikum Düsseldorf
  • Prof. Dr. Margarete Reinhart, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.  (DBfK)
  • Heike Jakobi-Wanke (BAG Pflegebildung)

9.30-13.00 Uhr

 

 Vorträge 

 

(Abstracts siehe unten) 

         
 9.30-10.15 Uhr       Generalistische Ausbildung - Zwischen Bildung und Qualifikation!
Prof. Dr. Ellen Bögemann, Fliedner-Fachhochschule-Düsseldorf
         
10.15-10.45 Uhr        Kaffeepause 
         
10.45-11.30 Uhr       Grundständiges Studium Pflege – Was macht die Hochschule im Unterricht anders?
Prof. Dr. Herbert Hockauf, Steinbeis Hochschule, NRW 
         
11.30-12.15 Uhr        Neuordnung der Pflegeberufe – wohin führt der Weg?
Prof. Dr. Margarete Reinhart, Theologische Hochschule Friedensau, Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) 
         
12.15-13.00 Uhr        Mittagspause 
         

13.15-14.45 Uhr

 

Workshops 

 

(Abstracts siehe unten) 

         
    Workshop 1   Konzept einer Generalistischen Pflegeausbildung – am Beispiel der Wannseeschule
Christine Vogler, Wannseeschule Berlin
         
    Workshop 2   Europäische Ausbildungsstandards - ein Beitrag zur Sicherung des Personalbedarfs im Berufsfeld Pflege
Gertrud Stöcker, Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e.V. (DBfK) 
         
    Workshop 3   Emotionale Kompetenz
Geske Dallmann, Universitätsklinikum Düsseldorf 
         
    Workshop 4   Innovation der Pflegeausbildung durch Lernportfolios
Mechthild Löwenstein, Klinikum Aschaffenburg 
         
    Workshop 5   Die Stimme als Werkzeug – Stimmbildung für Lehrer
Birgitta Juchems, Düsseldorf 
         
    Workshop 6   Gestaltungsmöglichkeiten der praktischen Prüfung
Mike Runge, Köln & Bernd Schramm, Bensberg 
         
    Workshop 7   Innovative Strategien und Handlungsanleitungen für einen gesunden Arbeitsplatz
Andree Thieltges, Universität Bremen  
         
    Workshop 8   Pflegeausbildung im europäischen Vergleich –  Was können wir von unseren Nachbarn lernen, was besser machen?
Dr. Yvonne Lehmann, Charité – Universitätsmedizin, Berlin
         
    Workshop 9   Praxisbegleitung - eine Bestandsaufnahme
Frank Arens
         
    Workshop 10   Personalentwicklung in Pflegeschulen
Ilona Holtschmidt, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
         
    Workshop 11   Tipps und Tricks zur Visualisierung
Sven Malazek
         
    Workshop 12   Bewerberaquise
Gerold Fuchs, LVR-Klinikum Düsseldorf
         
14.45-15.15 Uhr       Kaffeepause
         

15.15-16.45 Uhr

 

 

 

Podiumsdiskussion: Neuordnung der Pflegeberufe – wohin führt der Weg?

        Impulsreferat
Dr. Volker Grigutsch, Bundesministerium für Gesundheit
        es diskutieren im Anschluss:
       
  • Dr. Volker Grigutsch,
    Bundesministerium für Gesundheit, Leiter der Unterabteilung 31
  • Prof. Dr. Ellen Bögemann,
    Fliedner Fachhochschule Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
  • Alexander Daniel,
    Bildungszentrum, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, BAG Pflegebildung
  • Prof. Dr. Margarete Reinhart,
    Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)

Vortrag: Generalistische Ausbildung - Zwischen Bildung und Qualifikation!
Prof. Dr. Ellen Bögemann, Fliedner-Fachhochschule-Düsseldorf

Kurzbeschreibung: Die Ausbildungsgänge für Pflegeberufe können mehrheitlich als ‚Ausbildungsgänge besonderer Art‘ charakterisiert werden, die außerhalb des staatlichen (Berufs-) Bildungssystems in staatlich anerkannten Ersatzschulen absolviert werden. Anders als in staatlichen Berufsbildungseinrichtungen werden an den Pflegeschulen keine ergänzenden Fächer angeboten, die Allgemeinbildung im Rahmen der Ausbildungsgänge verbürgen könnten. Es wird der Frage nachgegangen, wie bildungstheoretisch im Medium beruflicher Qualifizierung dennoch der Anspruch auf Befähigung der Lernenden zur Selbständigkeit, Mündigkeit und gesellschaftlichen Partizipation an gesellschaftlichen und beruflichen Entwicklungsprozessen eingelöst werden kann. Eine befriedigende Antwort auf diese Fragen gewinnt mit der Zusammenlegung pflegebezogener Ausbildungen (im Sinne eines generalistisch ausgerichteten Pflegebildungsgangs) an Bedeutung, da einige Vertreter(innen) der Fachöffentlichkeit befürchten, die gemeinsame Ausbildung könne eine unzulässige Verkürzung und mangelhafte Differenziertheit des Bildungsangebotes nach sich ziehen.

Workshop 1: Konzept einer Generalistischen Pflegeausbildung – am Beispiel der Wannseeschule
Christine Vogler, Wannseeschule Berlin

Kurzbeschreibung:  Die Organisation einer Generalistischen Ausbildung stellt neue Herausforderungen an die Bildungseinrichtungen. Wie dies unter Beachtung von Schulorganisation, Qualitätssicherung, Theorie- Praxisvernetzung und Transparenz gelingen kann, wird in diesem Workshop vorgestellt.

Workshop 2: Europäische Ausbildungsstandards - ein Beitrag zur Sicherung des Personalbedarfs im Berufsfeld Pflege
Gertrud Stöcker, Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e.V. (DBfK)

Workshop 3: Emotionale Kompetenz
Geske Dallmann, Universitätsklinikum Düsseldorf

Kurzbeschreibung: Wie kann emotionale Kompetenz mit ihren verschiedenen Dimensionen durch Lehr-Lern-Arrangements gefördert werden? In diesem Workshop werden konkrete Anregungen für die Förderung emotionaler Kompetenz in Unterrichtssequenzen am Theorieort, aber auch für Lernsituationen in der Pflegepraxis aufgezeigt und diskutiert.

Workshop 4: Innovation der Pflegeausbildung durch Lernportfolios
Mechthild Löwenstein, Klinikum Aschaffenburg

Kurzbeschreibung: Kurzbeschreibung: Gezielte Reflexionen über das eigene Lernen sind das Herzstück der Portfolioarbeit. Zur Förderung der Lernkompetenz werden Lernstrategien thematisiert und mit Kriterien geleiteten Lernportfolios angeleitet und individuell geübt. Die Implementierung von Lernportfolios geben wichtige Hinweise zur Organisations-, Unterrichts- und Personalentwicklung der Pflegeausbildung. 

Workshop 5: Die Stimme als Werkzeug – Stimmbildung für Lehrer
Birgitta Juchems, Düsseldorf

Kurzbeschreibung: Warum es sich für Sie lohnt, mehr über das eigene Werkzeug Stimme zu erfahren.
Die Bedeutung der Stimme für Vortrag, Unterricht, Beratung ist in der Pädagogik unumstritten. Als Lehrpersönlichkeit wirken Sie auf Ihre Auszubildende, Ihre Studierende, Ihre Kollegen usw. in einem nicht zu unterschätzendem Maße über Ihren Stimmaus- und eindruck. Wie steht es also mit Ihrer eigenen Fähigkeit, Ihrer Stimme Aus- und Eindruck zu verleihen? Wünschen Sie sich mit Ihrer Stimme in Lehrsituationen stimmlich überlegt und flexibel agieren zu können? Möchten Sie Ihre automatischen Reaktionen und den dadurch hervorgerufenen unbeabsichtigten Wechselwirkungen mit Ihrem Gegenüber stimmlich konstruktiv begegnen? Wollen Sie die Atmosphäre und die Lernbereitschaft durch Ihre Stimme positiv unterstützen? Erfahren Sie in diesem Workshop wie
- Ihre mentalen Steuerungsprozesse Ihre Stimme beeinflussen
- die physiologischen Voraussetzungen Ihrer Stimme Ihre Stimmführung unterstützt
- Ihre Sozialisation, Ihre Erziehung und Ihr persönlicher und beruflicher Werdegang Ihre Stimme färbt
- Sie mit Hilfe klarer Ziele und einer flexiblen Selbstführung eine resonanzreiche, führungsstarke Stimme entwickeln können

Workshop 6: Gestaltungsmöglichkeiten der praktischen Prüfung
Mike Runge, Köln & Bernd Schramm, Bensberg

Kurzbeschreibung: Im praktischen Prüfungsteil sollen Schülerinnen zum Ende ihrer Ausbildung ihre Fähigkeit zu einer prozessorientierten und reflektierten Versorgung einer Patientengruppe nachweisen. Hierbei sollen vor allem die Handlungskompetenz im Hinblick auf die zukünftige Berufsausübung unter Beweis gestellt werden.
In der Vergangenheit praktizierte Modelle der Durchführung des praktischen Prüfungsteils bedürfen in diesem Kontext der Reflexion.
- Bildet mein Prüfungssetting die Zielsetzung umfassend ab?
- Bildet mein Prüfungssetting den Berufsalltag umfassend ab?
- Ist die Durchführung meines Prüfungssetting in den Berufsalltag integrierbar?
Im Workshop werden zwei neu gedachte und bereits angewandte Prüfungsverfahren für den praktischen Prüfungsteil vorgestellt. Die Vortragenden freuen sich hierbei ganz besonders auf einen kritischen und multiperspektivischen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus der Pflegebildung  und Praxisanleitung.

Workshop 7: Innovative Strategien und Handlungsanleitungen für einen gesunden Arbeitsplatz
Andree Thieltges, Universität Bremen

Kurzbeschreibung: Der Workshop soll sowohl die Implementierung von Strategien und Ansätzen für gesundes Arbeiten in der Pflegebranche reflektieren, als auch Möglichkeiten und Wege aufzeigen, um den eigenverantwortlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz und die damit verbundenen Selbstpflege bereits in der Ausbildung zu fördern.

Workshop 8: Pflegeausbildung im europäischen Vergleich – Was können wir von unseren Nachbarn lernen, was besser machen?
Dr. Yvonne Lehmann, Charité – Universitätsmedizin, Berlin

Kurzbeschreibung: Auf der Basis von Erkenntnissen einer Studie zur Analyse der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufe im europäischen Vergleich (GesinE) wird eine Stippvisite in die Ausbildung und Berufsausübung von Pflegenden in vier Ländern unternommen und gemeinsam erkundet, was von den europäischen Nachbarn gelernt werden kann.

Workshop 9: Praxisbegleitung - eine Bestandsaufnahme
Frank Arens

Workshop 10: Personalentwicklung in Pflegeschulen
Ilona Holtschmidt, Fliedner Fachhochschule Düsseldorf

Workshop 11: Tipps und Tricks zur Visualisierung
Sven Malazek

Kurzbeschreibung: Einführung, Grundlage und Tipps für eine tolle Flipchartgestaltung

Workshop 12: Bewerberaquise
Gerold Fuchs, LVR-Klinikum Düsseldorf

Kurzbeschreibung: Die Attraktivität und die Durchlässigkeit zwischen den Pflegeberufen soll verbessert werden, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Gleichzeitig ist beobachtbar, dass die Bewerberzahlen sinken. Seit 2003 erfolgt eine kompetenzorientierte Ausbildung, wodurch sich die Anforderungen an die Lehrenden und Auszubildenden verändert haben. 
Wie reagieren die Schulen auf diese Entwicklungen? Welche Auswahlverfahren haben sich bewährt?