
Notizen:
Die Häftlinge waren in drei Zellen aufgeteilt. Eine Gruppe entdeckte, dass sich eine Deckenplatte in ihrer Zelle verschieben ließ. Zwei planten daraufhin einen Ausbruch. Die beobachtenden Psychologen waren beunruhigt wegen der Verletzungsgefahr und benachrichtigten die Wärter. Doch anstatt ein schlechtes Gewissen wegen des Regelverstoßes zu haben setzten die verhinderten Ausbrecher auf Frechheit und forderten Respekt Sie setzten durch, daß nur ein Wärter die Zelle betreten durfte und er sich wegen dieser Störung auch entschuldigen mußte. Wie reagierte der verduzte Aufseher? Er versicherte, daß er sich an die Regeln der Gefangenen halten wolle. Die Wärter reagierten immer verunsicherter. Die Häftlinge wurden zunehmend zynischer und demonstrierten aggressives Selbstbewusstsein. Die Gefangenen mußte Fragebögen ausfüllen. Im Gegenzug forderten sie heiße Getränke, heiße Duschen regelmäßige Aussprachen und eine Amnesie für alle vorangegangenen Verfehlungen. Die Wärter gaben nach. Während die Wärter Angst vor jeder Machtanwendung hatten, griffen einige Gefangene zu verbaler Aggression. Die Aggression ging in der Tat nur von den Gefangenen aus, die Wärter zeigten deutliche burn-out Symptome und waren demoralisiert. Die Geschichte eskalierte als die Gefangenen in einer „operation Chaos“ den „weichsten“ Aufseher während seiner Nachtschicht mit erfundenen Leidensgeschichten weichkochten, Zigaretten und die Öffnung der Zelle verlangten.
Als dieser sich mit Hinweis auf die Regeln weigerte lachten sie ihn aus. Immer wieder ließ der verunsicherte Wärter sich in Diskussionen mit den Gefangenen verwickeln, bis es ihm irgendwann zu viel wurde und er sich gekränkt zurückzog. Der Zellen block war nun unbewacht und die Häftlinge nutzten dies zum Ausbruch, wurden aber noch im Gefängnisbereich gestellt. Durch Diskussion und Streitereien gelang es den Gefangenen zusätzlich den leeren Aufenthaltsraum zu bekommen. Das ganze ähnelte nun mehr einer Kommune. Die Häftlinge wollten nun die Führung übernehmen und forderten Uniformen. Einer blieb die ganze Nacht auf und schrieb an einem Manifest, was er morgens um sechs Uhr vor allen verlas.
In Abwesenheit von Autorität wuchs sichtlich das Verlangen nach Struktur und Führung. Die beobachtenden Psychologen wurden so nervös und hatten Angst daß das Experiment noch weiter kippt und es zu einem Ausbruch von „Faschismus“ kommen würde, weswegen Sie das Experiment vorzeitig abbrachen.
Es schälte sich eine unerwartete Fragestellung heraus: nämlich, warum funktionierten die Wärter nicht?
Unter den Wärtern gab es wenig gegenseitige Unterstützung und sie kommunizierten wesentlich schlechter miteinander als die Gefangenen.
Anfänglich wollten sowohl die Wärter als auch die Gefangenen eine „demokratische“ Struktur aufbauen. Doch was dabei entstand war keine „Demokratie“ sondern ein Mangel an Struktur, der allmählich tyrannische Vorstellungen weckte. Am Ende des Experiments waren sowohl Wärter als auch Gefangene deutlich autoritärer gestimmt als zu Anfang.
Die Frage ist nicht, ob Macht korrumpiert, sondern wie sich Macht positiv einsetzen läßt. In der Studie war die Machtlosigkeit das Problem, das die Tyrannei nach sich zog.