DBfK lehnt Gesetzesentwurf zur Absenkung des Bildungsniveaus in der Krankenpflege ab


P r e s s e m i t t e i l u n g

DBfK lehnt Gesetzesentwurf zur Absenkung des Bildungsniveaus in der Krankenpflege ab



Berlin, 30. April 2009

Mit großem Befremden hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) die Initiative von SPD und CDU/CSU zur Kenntnis genommen, durch einen Änderungsantrag die Eingangsvoraussetzung zur Krankenpflegeausbildung auf Hauptschulniveau abzusenken. „Deutschland hat schon heute im EU-Vergleich die niedrigsten Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Damit ist die deutsche Ausbildung systemisch und strukturell auf dem Niveau von 1997 stehen geblieben“, sagt Gertrud Stöcker, stv. Vorsitzende des DBfK und Vorsitzende des Deutschen Bildungsrates für Pflegeberufe. „Die kranken, behinderten, alten und pflegebedürftigen Menschen in Deutschland haben eine hochkompetente Versorgung verdient.“

Der DBfK lehnt die von den Regierungsfraktionen im Änderungsantrag (BT-Drucksache 16(14)0527: Artikel 12 a) zum Entwurf des Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften vorgeschlagene Öffnung der Krankenpflegeausbildung für Hauptschulabgänger ab. Sie ist kein Beitrag zur Professionalisierung der Pflegeberufe und dem künftigen Qualifizierungs– und Kompetenzbedarf diametral entgegengesetzt.

Weitere Gründe, die gegen den Änderungsantrag sprechen:
  •  Die Öffnung der Pflegeausbildung für HauptschulabsolventInnen erweitert nur theoretisch das Bewerberpotenzial und ausschließlich quantitativ. Es gibt derzeit keinen Bewerbermangel, sondern einen Mangel an qualifizierten Bewerbern für die Pflegeberufe.
  • Nicht nur viele Pflegefachkräfte, sondern bereits Auszubildende entscheiden sich wegen der dramatisch schlechten Rahmenbedingungen gegen den Verbleib im Beruf, an dieser Stelle besteht Handlungsbedarf.
  • Statt einen gesetzlichen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitssituation der Pflegenden, z.B. im Sinne der Vorschläge des Gutachtens des Sachverständigenrates 2007 zu leisten, findet man eine kostenneutrale Variante – Qualität der Versorgung spielt scheinbar keine Rolle.
  • Der Pflegepersonalmangel wäre schnell zu beheben, wenn man den mehr als hunderttausend Pflegefachkräften, die nicht mehr im Beruf arbeiten, einen Anreiz zur Rückkehr bieten würde. Doch dazu müsste sich substantiell etwas in Aufgaben und Personalausstattung ändern.

Wer einerseits Initiativen für mehr Patientensicherheit anstößt und fördert, darf nicht andererseits durch Absenken des Bildungsniveaus im Pflegeberuf ein zusätzliches Risiko schaffen. Befremdlich wirkt dieser Vorstoß der Regierung auch deswegen, weil er ohne vorherige Beratung mit den Ländern und Fachverbänden im Kontext eines sachfremden Gesetzes eingebracht wird. Auch im Rahmen des Pflegegipfels vor wenigen Wochen im Bundesgesundheitsministerium gab es nicht einmal Andeutungen hierzu. Vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Sache sieht anders aus.

Die vollständige Stellungnahme des DBfK zur Anhörung am 06.05.2009 im Bundestag finden Sie als Download (398 KB) unter www.dbfk.de/service/download/berufspolitik.php .

Siehe auch die Stellungnahme des Deutschen Pflegerats unter www.deutscher-pflegerat.de

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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke können Sie auf der Homepage www.dbfk.de nachlesen. Falls Sie Interviewwünsche haben oder noch mehr Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.