Fließbandabfertigung in der Pflege - nein, ohne uns!

Schüler/-innen engagierten sich für bessere Ausbildungsbedingungen / Ultimativer Pflegenachwuchstag mit interessanten Vorträgen

Begehrter Pflegenachwuchstag: 1000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern haben vor kurzem in Germering (bei München) einen abwechslungsreichen Kongress erlebt: Sie setzten sich in einer Protestaktion für bessere Ausbildungsbedingungen ein und bildeten sich bei interessanten und praxisnahen Vorträgen beruflich weiter: Zunächst hörten die Nachwuchskräfte Vorträge zu Karrieremöglichkeiten in der Pflege und zu Arbeitsmöglichkeiten im Ausland von DBfK-Bundesgeschäftsführer Franz Wagner und Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin im DBfK Südost. In seinem Vortrag über Demenz vermittelte Gerhard Stadler, Gesundheits- und Krankenpfleger mit Weiterbildung Psychiatrie und Leiter der Allgäu Akademie praxisnahe Verhaltens- und Kommunikationsstrategien. Wie man Glück trainieren kann, das erklärte Siegfried Bader, Gesundheits und Krankenpfleger, Pflegemanager und QM-Beauftragter in seinem Vortrag „Lernziel Lebensfreude“. Aktuelles aus der Pflege, der Berufspolitik oder den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gab es bei den Ausstellern an den Infoständen. Ein Highlight des Tages war das Theaterstück „Die Systemkranken“, das Schüler der Krankenpflegeschule Wasserburg zum Besten gaben. Sie hatten die Lacher auf ihrer Seite, als sie überspitzt schilderten, wie schwierig es ist, im Spannungsfeld zwischen Kostendruck und Personalmangel gute Pflege zu leisten.

 „Wenn sich in eurem Beruf was ändern soll, müsst ihr euch stark machen für die Pflege“, motivierten die Moderatoren Johanna Blohmke und Johannes Kettenberger die jungen Teilnehmer/-innen. Die beiden engagieren sich in der DBfK-Fachgruppe Junge Pflege, haben den Kongress mitorganisiert. Sie riefen zur berufspolitischen Aktion auf, unter dem Motto „Fließbandabfertigung in der Pflege – nicht mit uns“ startete. Die Pflegeschüler trieben damit den Berufsalltag auf die Spitze: Mit Infusionsbesteck, Tablett und Pillendosen, Telefon und Dokumentationsmappe bewaffnet traten Mannschaften in einem Wettlauf gegeneinander an. Sie demonstrierten damit den Arbeitsalltag: Hektik, Überforderung und wenig Zeit für Patienten sind an der Tagesordnung.  

Aufgrund des Personalmangels und eingesparter Stellen werden Auszubildende immer häufiger anstelle ausgelernter Fachkräfte eingesetzt, sagte Dr. Marliese Biederbeck vom DBfK Südost. Sie müssten Tätigkeiten übernehmen, die sie noch nicht gelernt haben. „Personalabbau bei steigendem Arbeitsanfall, schlechte Arbeitsbedingungen, geringe Gehälter trotz hoher Anforderungen im Berufsalltag machen den Pflegeberuf unattraktiver denn je. Immer weniger junge Frauen und Männer entscheiden sich für diesen Beruf – der Pflegenotstand wird dramatische Ausmaße annehmen.  Alleine in den kommenden 20 Jahren müssen 500 000 Pflegende zusätzlich qualifiziert werden, wenn man die steigende Zahl der pflegebedürftigen Menschen gegenüberstellt.“

Weitere Bilder

Vorträge

Dr. Marliese Biederbeck:
"Examen bestanden und dann ...?" - Karriere in der Pflege

Franz Wagner:
"Goodbye Deutschland!"-Die Pflegeausbildung als Greencard für die ganze Welt

Gerhard Stadler:
"Ist heute Dienstag oder Weihnachten?" Herausfordernde Verhaltensweisen und hilfreiche Kommunikationsstrategien

Siegfried Bader:
"Glück gehabt?!" - Lernziel Lebensfreude