DBfK fordert: Hygienestandards durch ausreichend Pflegepersonal im Krankenhaus sichern

16.09.2015

Das Vertrauen von Patientinnen und Patienten in die Qualität der Krankenhausversorgung hat gelitten. Die Angst davor, sich dort mit einem Krankenhauskeim zu infizieren und womöglich bleibende Schäden davonzutragen, ist ein Grund dafür. Krankenhausinfektionen sind zunehmend Thema in Fachkreisen, jetzt meldet sich der DBfK mit einem Positionspapier aus der Pflegeperspektive zu Wort.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) e.V. weist anlässlich des ersten Internationalen Tags der Patientensicherheit am 17.09.2015 in einem heute veröffentlichten Positionspapier auf schwerwiegende Hygienemängel in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen hin. „In den Krankenhäusern tickt eine Zeitbombe“, so DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Nosokomiale Infektionen breiten sich rasant aus. Eine der Ursachen ist der Personalmangel in der Pflege. Die Einhaltung von Standardhygienemaßnahmen wird dadurch erschwert. Wir müssen uns darauf einrichten, dass die Anzahl von ca. jährlich 10 000 bis 15 000 Erkrankten weiter ansteigt, wenn nicht schnell Gegenmaßnahmen ergriffen werden“. Nosokomiale Infektionen – d.h. während eines Aufenthaltes im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung erworbene Infektionen - gefährden PatientInnen ernsthaft. Erschwerend bei der Bewältigung der Infektionen ist u.a. die zunehmende Entwicklung und Verbreitung multiresistenter Erreger, zu häufiger Einsatz von Antibiotika und deren „verfrühtes“ Absetzen. Das Positionspapier beleuchtet die Situation in den Krankenhäusern und die Risiken aus der Perspektive der Pflege und stellt Forderungen auf.

Zwischen 1996 und 2006 sind ca. 15% der Stellen im Pflegedienst der Kliniken abgebaut worden. Gleichzeitig stieg die Anzahl der PatientInnen, insbesondere nahm der Anteil älterer und pflegeaufwendiger PatientInnen zu. Das höhere Lebensalter der Kranken zusammen mit Mehrfach- und chronischen Krankheiten steigert die Arbeitsbelastung in der Pflege weiter. Zudem hat sich die Verweildauer der PatientInnen von 1991 bis 2010 halbiert. Die Folge ist eine enorm gestiegene Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung, die bereits viele Pflegefachpersonen aus dem Beruf getrieben hat. Internationale Studien wie die RN4 Cast Studie (2011) belegen, dass in deutschen Krankenhäusern eine Pflegefachperson durchschnittlich zehn PatientInnen zu versorgen hat - in Schweden und den Niederlanden dagegen lediglich 4,5 – 5 Kranke. Damit schneidet Deutschland in Europa zusammen mit Spanien (ebenfalls 1:10) am schlechtesten ab, noch hinter Griechenland. Seit 2011 ist dieses Missverhältnis eher noch schlechter geworden.

„Die KollegInnen eilen von einem Patienten zum nächsten. Der Arbeitsdruck ist so hoch, dass die Hygiene vernachlässigt wird“, so Bienstein. Deshalb: Qualitativ angemessene Pflege kann nur durch ausreichendes und qualifiziertes Pflegepersonal gewährleistet werden. Die Bemessung des einzusetzenden Pflegepersonals und dessen Qualifikation müssen sich am tatsächlichen Pflegebedarf der PatientInnen und nicht an ökonomischen Interessen orientieren. Der DBfK fordert seit langem die politisch Verantwortlichen auf, zügig analytische Personalbemessungsinstrumente einzuführen, die dem Pflege- und Versorgungsbedarf der Kranken angepasst sind. Die Arbeitsbedingungen werden die Berufsflucht aus den Pflegeberufen sonst weiter erhöhen.

Das vollständige Positionspapier „Position des DBfK zur Sicherung der Hygienestandards in Krankenhäusern“ ist unter www.dbfk.de -> Veröffentlichungen abzurufen.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK e.V.

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