Rehabilitationsbehandlung nach individuellem Bedarf, nicht nach ökonomischen Anreizen planen

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19.07.2017

 

Die heute veröffentlichten Zahlen des BARMER Krankenhausreport 2017 lassen berechtigte Zweifel zu, ob Krankenhäuser für die Versorgung älterer und multimorbider Patientinnen und Patienten personell und strukturell gut genug aufgestellt sind. Der DBfK fordert vor dem Hintergrund starker Fehlanreize im DRG-System, sich ausschließlich am Patientenwohl und -nutzen zu orientieren.

Die Zahl multimorbider und älterer Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern ist innerhalb von zehn Jahren um ca. 80 Prozent gestiegen und der Trend setzt sich fort. Das stellt Anforderungen an Kliniken und ihre Versorgungsstrukturen, mit denen sie bisher nicht adäquat umgehen, sagt der DBfK zum heute veröffentlichten BARMER-Krankenhausreport 2017. „Schuster, bleib bei deinem Leisten! Dieser Gedanke drängt sich auf, betrachtet man die Steigerungszahlen, Kosten und Outcomes der für die Kliniken äußerst lukrativen rehabilitativen Versorgung. Denn seitdem sie eine ‚geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung‘ (GFKB) pauschal abrechnen können, tummeln sie sich nun auch in diesem Therapiefeld. Und sind dabei teuer, aber nur mäßig erfolgreich“, erklärt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel.

„Ökonomische Anreize rechtfertigen weder eine bestimmte Indikationsstellung noch eine starre Therapiedauer. Jeder Patient hat das Recht auf eine am individuellen Bedarf ausgerichtete Therapieform sowie größtmögliche Wiederherstellung seiner Mobilität und Selbständigkeit. Für rehabilitative Behandlung sind Strukturen und Kompetenzen erforderlich, die in den Krankenhäusern ganz offenbar nicht ausreichend vorgehalten werden. Hier wirkt sich der Pflegefachkräftemangel aus, denn multimorbide Patientinnen und Patienten leiden ganz besonders, wenn es nicht genug Pflege gibt. Unser Gesundheitssystem kann es sich auf Dauer nicht leisten, Geld ohne erwiesenen Nutzen zu verschleudern. Deshalb muss die Forderung sein, dass Krankenhäuser sich personell und strukturell besser auf die Bedürfnisse älterer Patientinnen und Patienten einstellen müssen. Und sich vorrangig auf ihr Kerngeschäft – eine gute Akutversorgung – konzentrieren sollten.“

Der Krankenhausreport hat in diesem Jahr Routinedaten im Hinblick auf die immer größer werdende Zahl geriatrischer Patienten untersucht. Schwerpunkt dabei: die Effizienz am Beispiel der rehabilitativen Versorgung, beispielsweise nach einer Oberschenkelhalsfraktur aufgrund eines Sturzes. Die Ergebnisse sind auffällig und lassen berechtigte Zweifel zu, ob ältere Patientinnen und Patienten für die Phase der Rehabilitation im Krankenhaus gut aufgehoben sind. Vielmehr führen finanzielle Fehlanreize dazu, dass ältere, multimorbide Menschen länger als nötig und kürzer als erforderlich im Krankenhaus gehalten werden, um die Vergütungspauschale mitzunehmen. Zudem sind die Ergebnisse hinsichtlich einer Abwendung von Pflegebedürftigkeit schlechter als bei der kostengünstigeren Behandlung in einer Reha-Einrichtung. Die große Zahl der Fälle und die damit verbundenen hohen Kosten sorgen für hohe Relevanz des Themas.

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