Pflegepersonalbemessung braucht fundierte Grundlage

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27.09.2018

 

Die Pflegepersonalbemessung in Krankenhäusern steht momentan weit oben auf der politischen Agenda. Wie sie ausgestaltet sein und auf welcher Grundlage sie basieren muss, hat der DBfK heute aus gegebenem Anlass noch einmal deutlich gemacht.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) nimmt die jetzt veröffentlichte ‚KPMG-Studie zur Pflegepersonalausstattung und „Pflegelast“ in pflegesensitiven Bereichen in Krankenhäusern‘ zum Anlass, erneut seine Forderungen für die künftige Gestaltung der Pflegepersonalbemessung im Krankenhaus zu stellen. „Die Studie bildet nichts weiter ab als den Mangelzustand an Pflege, der seit Jahren zum deutschen Krankenhausalltag gehört“, sagt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Die Autoren betonen selbst, dass die Studie „keine Rückschlüsse des quantitativen Einsatzes von Pflegepersonal auf die qualitative Versorgung beziehungsweise den Behandlungserfolg zulässt‘. Sie sagt auch nichts darüber aus, wie sehr die durch Zahlen belegten Arbeitsbedingungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berufsbedingt krank machen und an ihrem Berufsverständnis verzweifeln lassen. Ablesen lässt sich das jedoch überdeutlich an den hohen Krankheits- und Frühberentungsquoten des Pflegepersonals, die in den Reports der Krankenkassen Jahr für Jahr ganz oben rangieren. Seit langem sind Verstöße gegen geltendes Arbeitsrecht und Arbeitsschutzgesetze in den Krankenhäusern gängige Praxis. Möglich ist dies, weil die staatliche Aufsicht versagt und keine Sanktionen befürchtet werden müssen. Leidtragende sind am Ende nicht nur die chronisch erschöpften Pflegefachpersonen, sondern auch ihre unzureichend versorgten Patientinnen und Patienten. Auf Basis der KPMG-Zahlen Pflegepersonaluntergrenzen definieren zu wollen, um pflegerisch kritische Versorgungssituationen möglichst zu vermeiden, ist der völlig falsche Ansatz und würde die desolate Versorgungslage eher noch weiter verschlechtern“, so Bienstein.

Die Forderungen des DBfK für die Pflegepersonalausstattung in den Kliniken lauten seit langem:

  • Die Personalbemessung nur an Untergrenzen festzumachen unterhöhlt das Recht von Patienten auf angemessene Versorgung und Sicherheit. Minimalvorgaben werden in aller Regel umgehend stillschweigend zur Normalität und dürfen daher nicht zu niedrig angesetzt werden, sie können allenfalls als Übergangslösungen dienen.
  • Vorgaben zur Personalbemessung auf nur wenige Bereiche zu begrenzen führt zu keinem Personalzuwachs, sondern löst Verschiebungen von Personal und Patienten innerhalb der Kliniken aus. Von der Regelung ausgeklammerte Bereiche werden noch weiter ausgedünnt. In Krankenhäusern gibt es keine bettenführenden Bereiche, die nicht pflegesensitiv sind, dementsprechend ist eine umfassende Regelung vorzunehmen, wie sie auch im Koalitionsvertrag angekündigt ist.
  • Grundlage der künftigen Pflegepersonalbemessung und -vergütung darf nicht die seit vielen Jahren mangelhafte Pflegepersonalausstattung innerhalb des DRG-Systems sein. Damit würde eine als patientengefährdend und mitarbeiterverschleißend einzustufende Personalsituation fortgeschrieben. Es führt kein Weg vorbei an einem analytischen und pflegewissenschaftlich fundierten Personalbemessungsverfahren, das den tatsächlichen Pflegebedarf abbildet und verpflichtend zugrunde zu legen ist. Geltendes Recht, das Arbeitnehmer vor Willkür und Ausbeutung schützen soll, muss durchgesetzt werden. Der DBfK trägt in diesem Sinne die Forderungen im Positionspapier des Deutschen Pflegerats und weiterer großer Verbände vom 17. September 2018 ausdrücklich mit.

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