Ohne gute Arbeitsbedingungen keine Lösung des Fachkräftemangels in der Pflege!

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01.11.2018

 

Der November hat begonnen - zweiter Aktionsmonat in der DBfK-Aktion "Mein Beruf: Pflegen". Inhaltlicher Schwerpunkt in den kommenden Wochen: die Arbeits- und Rahmenbedingungen in den Pflegeberufen. Denn sie sind es, die Pflegefachpersonen aus dem Beruf treiben, krank machen, junge Leute von dieser beruflichen Option abschrecken, den bestehenden Fachkräftemangel weiter zuspitzen. Die Verantwortlichen in Politik und Unternehmen müssen sich endlich bewegen, denn: Ohne gute Arbeitsbedingungen wird der Pflegefachkräftemangel nicht zu lösen sein!

Mein Beruf: Pflegen

Heute startet der zweite Monat der DBfK-Aktion „Mein Beruf: Pflegen“. Inhaltlicher Schwerpunkt im November: die Arbeitsbedingungen und deren Konsequenzen in der Pflege.

Zu viel Arbeit, zu wenig Personal, Zeitdruck, immer ‚unter Strom‘, Abarbeiten im Dauerlauf, würdeloses ‚Abfertigenmüssen‘, keine Anerkennung, Berge von Überstunden, unzuverlässige Dienstpläne, immer müde – beruflich Pflegende kennen all dies seit vielen Jahren aus ihrem Berufsalltag. Stress ist Normalzustand geworden, die Personaldecke ist so dünn, dass sie beim kleinsten Ausfall reißt. Das deutsche Gesundheitssystem hat weltweit (noch) einen guten Ruf. Schaut man allerdings hinter die Kulissen, zeigen sich erschreckende Mängel und Risiken für alle Beteiligten.

Eine Pflegelehrerin hat es für „Mein Beruf: Pflegen“ so formuliert: „Ich bin an meinem Arbeitsplatz ein Leistungsfaktor, weil ich ‚Pflege‘ seit fast drei Jahren unterrichte und mir erst jetzt, nachdem ich das ‚Hamsterrad‘ der direkten praktischen, stationären Pflege verlassen habe, bewusst wird, wie wichtig eine politisch initiierte Veränderung in der Pflege ist. Stichwort: Personalbemessung, Rahmenverträge etc. Jahrelang wurde Pflegenden suggeriert ‚Ihr seid nicht gut genug‘, ‚Wollt ihr besser pflegen, dann müsst ihr besser, schneller, effizienter arbeiten, das Hilfspersonal besser führen, effizienter dokumentieren, wirtschaftlicher arbeiten usw.‘ Jetzt haben wir bereits 20 nach 12 und der Fachkräftemangel ist eklatant, Fachkräfte haben zur Anleitung der Auszubildenden wenig Gelegenheit, müssen in einigen Häusern die Arbeit vieler ungelernter Hilfskräfte überwachen...Wenn nicht bald eine Veränderung eintritt, wann dann?“

Überraschen darf das nicht. Seit Jahren belegen z.B. die Umfragen des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in der Pflegethermometer-Reihe, wie sich Jahr für Jahr die Bedingungen in der Versorgung kranker und pflegebedürftiger Menschen verschlechtert haben. Die Verantwortlichen in Politik und Unternehmen sahen dennoch offenbar bisher keine Veranlassung, hieran grundsätzlich etwas zu ändern. Und ob nun mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz ab 2020 eine deutlich spürbare Verbesserung der Situation eintreten wird, bleibt abzuwarten. Sehr optimistisch sind die Pflegefachpersonen da bisher noch nicht.

Die chronische Überlastung und die unbefriedigenden Arbeitsbedingungen gehen auf die Dauer nicht spurlos an den beruflich Pflegenden vorüber. Und der Dauer-Spagat zwischen dem, was in der täglichen Pflege zu leisten wäre und dem professionellen Berufsverständnis entspricht, und dem, was unter den gegebenen Umständen nur erbracht werden kann, führt zu ethischen Konflikten. Wenn solche Bedingungen lange andauern und keine Perspektive auf positive Veränderung erkennbar ist, macht das krank. Die Pflegeberufe belegen seit Jahren Spitzenplätze bei den Krankheitsquoten. Besonders auffällig ist der steile Anstieg stressbedingter, psychischer Erkrankungen wie Burnout, Depressionen oder auch Suchterkrankungen. Wenn Pflegefachpersonen aus dem Beruf flüchten oder ihre Arbeitszeit von Vollzeit auf Teilzeit reduzieren, dann eben auch, um gesund zu bleiben. Kaum jemand hat unter den heutigen Arbeitsbedingungen die Chance, das gesetzliche Rentenalter zu erreichen.

Das hat Folgen: Der ohnehin sich verschärfende Pflegepersonalmangel wird noch dramatischer. Und die Altersabsicherung, die in Pflegeberufen sowieso meist nicht gerade üppig ausfällt, sinkt auf eine Rentenhöhe, die man als Altersarmut bezeichnen muss. In den Pflegeberufen trifft dies vor allem Frauen.

Nursing Now 5

Wir haben unter dem Stichwort ‚Arbeitsbedingungen‘ Material zusammengestellt, beispielsweise zu den Themen Unternehmerperspektive, Mitarbeiterbindung, Lohnniveau, Arbeitnehmerüberlassung, Führung, Gratifikationskrisen usw. Und gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation und dem Weltverband der Pflegeberufe in derKampagne NURSING NOW fordern wir: „Regierungen müssen in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Ausbildung und der Führungskompetenzen von professionell Pflegenden investieren!“

Zur Aktion „Mein Beruf: Pflegen“ gibt es ein dreiteiliges Postkartenset. Die Karten können kostenlos im DBfK-Shop bestellt werden. 

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