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Pflegepersonalmangel – amtlich gemeldete Stellen sind nur Spitze des Eisberges

25.04.2018

 

Mindestens 36.000 Stellen in der Pflege sind derzeit nicht zu besetzen, davon 26.000 Stellen für Pflegefachpersonen, also dreijährig ausgebildetes Pflegepersonal. Dem stehen deutlich weniger arbeitssuchende Fachkräfte gegenüber.

Das wurde über eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag mit aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bekannt. „Diese Zahlen sind aber nur die Spitze des Eisberges, denn wir wissen, dass die meisten Arbeitgeber ihre freien Stellen gar nicht mehr bei der Bundesagentur melden, da diese nicht mit Arbeitssuchenden helfen können,“ sagt Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V. (DBfK). „Hinzu kommt, dass die nicht besetzten Stellen auf der Basis viel zu niedriger Stellenpläne berechnet werden. Denn wir brauchen in der Pflege insgesamt mindestens 100.000 Stellen mehr, um gute Versorgungsqualität in der Pflege sicherstellen zu können. In der Summe sprechen wir also von einem Mangel von deutlich über 126.000 Stellen in der professionellen Pflege.“

Der Mangel verschärft die Ausbeutung der Pflegenden mit der Folge chronischer Überlastung, des Ausbrennens und letztendlich des Ausstiegs aus dem Beruf. Er ist entstanden durch Rahmenbedingungen, die pflegerische Qualität nur schwer möglich und deshalb den Beruf insgesamt unattraktiv gemacht haben. Und er ist verursacht worden durch eine verfehlte Personal- und Ausbildungspolitik, die eine notwendige Ausbildungsreform viel zu lange verzögert hat und auch Ausbildungskapazitäten, die nicht ausreichend geplant wurden.

Eine Entschärfung der Situation ist nur zu erreichen durch ein umfassendes Gegensteuern. Dies muss beinhalten:

  1. bessere Rahmenbedingungen pflegerischer Arbeit
  2. vor allem durch eine bessere Personalausstattung
  3. eine qualitative und quantitative Investition in die Ausbildung
  4. eine bessere und gerechte Vergütung pflegerischer Arbeit.


Der Mangel ist auch Folge der fehlenden Wertschätzung des Beitrages pflegerischer Fachkompetenz zur Versorgungs- und Lebensqualität von Pflegebedürftigen und kranken Menschen. Dies zeigt sich auch in Äußerungen schlecht informierter Arbeitgebervertreter, die angesichts des Entwurfes der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum Pflegeberufegesetz meinen, eine anspruchsvolle Ausbildung in der Pflege sei verzichtbar und die geplante Ausbildungsreform führe zu ‚Medizin light‘. Dem ist entgegenzuhalten, dass Pflege weit mehr ist als Rücken waschen, Essen reichen und nett sein. Professionelle Pflege unterstützt die Betroffenen dabei, in Krankheit oder bei Pflegebedürftigkeit Lebensqualität und Selbständigkeit zu bewahren bzw. wieder zu erlangen. Sie berät und leitet an. Sie erkennt frühzeitig Risiken für Gesundheit. Pflege ist ein Heilberuf wie die Medizin, aber etwas anderes als Medizin. Sie betreut Menschen mit medizinischen Problemen, ist aber keine Arztassistenz. Medizinisches Wissen ist dann nicht „Medizin light“ sondern Grundlagenwissen im Krankenhaus ebenso wie im Pflegeheim und zu Hause. Insofern sind die Anforderungen in der neuen Ausbildung adäquat und keinesfalls zu hoch. Fast überall auf der Welt verlangt eine pflegerische Berufstätigkeit ein Hochschulstudium. Deutschland ist hier in der EU Schlusslicht!

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK e.V.

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