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Gifhorner Model wertet Pflege nicht auf

22.10.2019

 

(Hannover) Laut Bundesarztregister gab es Ende 2018 pro 100.000 Einwohner 65,7 Hausärzte in Niedersachsen. Der Altersdurchschnitt der Allgemeinmediziner liegt bei 52 Jahren, ca. 16% der Hausärzte waren älter als 65 Jahre. Gleichzeitig führt die Überalterung der Bevölkerung zu einer Zunahme chronischer Krankheiten und Menschen mit Pflegebedarf. „Alleine die zahlenmäßige Entwicklung macht eine Reform der Aufgabenverteilung in der primären Gesundheitsversorgung in Niedersachsen und Deutschland unumgänglich. Auch in Deutschland muss es selbstverständlich werden, dass Pflegefachpersonen mit entsprechender Qualifikation in der Primärversorgung eigenverantwortlich handeln und beispielsweise Verbandsmaterial für chronische Wunden selbst verschreiben können“, so Martin Dichter, Vorsitzender des DBfK Nordwest.

In einer Modellregion im niedersächsischen Gifhorn wird dagegen versucht, die bisherige Rollenverteilung in der primären Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten. In einem Telemedizin- und Telepflegeprojekt sollen Pflegedienste Aufgaben wie Blutdruckmessung oder das Schreiben eines EKGs bei ihren Hausbesuchen übernehmen, um so Ärzte auf dem Land zu entlasten. Dabei sprechen die Beteiligten von einer Aufwertung des Pflegeberufs durch Delegation dieser Maßnahmen.

Vergleichbare Initiativen sind andernorts bereits erprobt worden, haben aber keinen Mehrwert gezeigt, denn sie bleiben in den bekannten , arztzentrierten Versorgungsmustern. „Ganz abgesehen davon, dass die beschriebenen Tätigkeiten in niedersächsischen Krankenhäusern selbstverständlich eigenverantwortlich von Pflegefachpersonen durchgeführt werden, kann in der ausschließlichen Delegation von ärztlichen Aufgaben auf Pflegefachpersonen nicht die Lösung zur Sicherstellung der primären Gesundheitsversorgung sein. Das muss jedem einleuchten, der sich mit den entsprechenden Zahlen beschäftigt“, sagt Dichter.

Deutschland tut sich sehr schwer, den Pflegeberufen mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheit anzuvertrauen. Dabei übernehmen Pflegefachpersonen in Europa längst führende Rollen in der Primärversorgung und üben eigenverantwortlich heilkundliche Maßnahmen aus. So werden in England ganze Notaufnahmen in ländlichen Regionen von Pflegefachpersonen geführt. Studien zeigen, dass die Behandlung bei Herzkrankheiten, Diabetes, Rheuma und Bluthochdruck durch entsprechend ausgebildete Pflegende zu tendenziell ähnlichen oder sogar besseren Ergebnissen führt als die Versorgung durch Ärzte. Patienten seien zudem zufriedener mit ihrer Versorgung und hätten eine bessere Lebensqualität.

Trotz dieser Ergebnisse gibt es bisher in Deutschland wenig richtungsweisende Ansätze zur Übertragung heilkundlicher Aufgaben auf Pflegefachpersonen. Es fehlt bisher vor allem an politischem Willen und Entschlossenheit, den stetig zunehmenden Problemen in der primären Gesundheitsversorgung ernsthaft begegnen zu wollen. Die Pflegeberufe machen sich hierzulande unterdessen selbst auf den Weg und etablieren z.B. Studiengänge wie „Community Health Nursing“, einem gemeinde- oder wohnortnahem Versorgungskonzept, das mehr Aufgaben und Verwantwortung für Pflegefachpersonen in der primären Gesundheitsversorgung vorsieht.

Statt den Pflegefachpersonen mit dem Gifhorner Modellen weiterhin zu vermitteln, sie seien nur der verlängerte Arm der Ärzteschaft, sollte die Landesregierung in Niedersachsen lieber Schritte wagen, um die Gesundheitsversorgung mittel- und langfristig sicherzustellen. Hierzu ist eine Übertragung heilkundlicher Aufgaben auf Pflegefachpersonen unumgänglich. „Wir gehen anders an die Menschen heran - wir schauen nicht auf die Erkrankung oder das Symptom, wir sehen den ganzen Menschen, sein Umfeld und seine Möglichkeiten und entscheiden auf der Grundlage aller Informationen über die beste Intervention,“ sagt Dichter.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK Nordwest e.V.

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