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Verbleib oder Wiedereinstieg in den Pflegeberuf? Nicht unter diesen Bedingungen!

17.08.2020

 

Die Zukunft der Pflegeberufe steht auf dem Spiel.

Die bedarfsgerechte pflegerische Versorgung in Deutschland ist aufgrund des Mangels an Pflegefachpersonen akut gefährdet. Immer mehr Menschen mit Versorgungsbedarf stehen immer weniger Berufseinsteiger/innen und einem hohen Durchschnittsalter der Berufstätigen in der Pflege gegenüber. Vor diesem Hintergrund verdeutlicht eine Befragung zur Arbeitszufriedenheit im Rahmen des Projektes „Beruflicher Wiedereinstieg von Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein“, das bei der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein angesiedelt ist, wie schlecht die meisten Pflegefachpersonen ihre Arbeitsbedingungen empfinden. Die von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen durchgeführte Evaluation wurde anlässlich der schleswig-holsteinischen Kammerversammlung am 14. August 2020 vorgestellt.

„Dass fast 2.000 Pflegefachpersonen trotz hoher Arbeitsbelastung an der Befragung teilgenommen haben, zeigt ihr Bedürfnis, über ihre berufliche Situation Auskunft zu geben. Es wurde und wird viel über Pflegende geredet, aber viel zu wenig mit ihnen“, sagt Swantje Seismann-Petersen, stellvertretende Vorsitzende des DBfK Nordwest e.V. „Uns als Verband sind gerade politische Mitsprache- und Mitbestimmungsrechte für Pflegefachpersonen besonders wichtig und auch unabdingbar, wenn der Beruf an Attraktivität gewinnen soll. Politik sollte Entscheidungen über uns nie ohne uns treffen dürfen. Auch hier muss mehr Partizipation möglich sein.“

Die Umfrage war auf Schleswig-Holstein begrenzt, aber die Verhältnisse in anderen Bundesländern sind vergleichbar – insofern stehen die Ergebnisse pars pro toto. Und die Ergebnisse haben es in sich: Sie zeigen die höchsten Zufriedenheitswerte unter den Befragten bei der pflegerischen Tätigkeit an sich und die niedrigsten bei den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung. Darin spiegelt sich der tägliche Spagat wider zwischen dem eigentlich geliebten Beruf und einem hohen Ethos einerseits und den widrigen Umständen der Berufsausübung andererseits. „Diese Schere muss sich schleunigst schließen“, fordert Seismann-Petersen. „Sonst werden noch mehr Pflegefachpersonen in Teilzeit oder gleich ganz aus dem Beruf gehen.“

Der Teilzeitanteil gerade in Schleswig-Holstein ist ohnehin extrem hoch: Laut einer Erhebung der Staatskanzlei von Dezember 2017 arbeiten 75,3 % der Pflegefachpersonen in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen in Teilzeit und nur 22,6 % in Vollzeit. Und der Anteil der Teilzeitsbeschäftigten ist in nur zwei Jahren um gut 11 % gestiegen – 2015 waren es noch 64 %. „Absolut alarmierend“ nennt das die stellvertrende DBfK-Vorsitzende. „Unser dringender Appell an die Politik: Schaut euch diese Zahlen an und steuert endlich dagegen. Die Situation spitzt sich zu – nicht nur wegen der anhaltenden Corona-Krise –, und die pflegerische Versorgung steht auf dem Spiel. Die wachsende Unzufriedenheit unter den Pflegefachpersonen ist ein latenter Sprengsatz, den sich die Gesellschaft nicht leisten kann.“

Die Pressemitteilung als PDF

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK Nordwest e.V.

Regionalverband Nordwest

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