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Internationaler Tag der Pflegenden 2019 - International Nurses Day

Botschaft der ICN-Präsidentin Annette Kennedy

Anette Kennedy ICN-Präsidentin

In jedem Jahr wählt der International Council of Nurses (ICN) ein Thema für den Internationalen Tag der Pflegenden, der am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, gefeiert wird. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die ‚Stimme der Pflege‘ mit dem Thema „Nurses: A Voice to Lead“ gewürdigt. In 2017 erörterten wir die Rolle der ‚Stimme der Pflege‘ für das Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele, und in 2018 wurde das Menschenrecht auf Gesundheit betrachtet. Dieses Jahr schauen wir auf die ‚Stimme der Pflege‘ – ausgehend vom Standpunkt der „Gesundheit für alle“.

Pflegefachpersonen in der ganzen Welt setzen sich tagtäglich für „Gesundheit für alle“ ein – unter schwierigsten Umständen und mit begrenzten Ressourcen, um Gesundheitsversorgung für diejenigen zu gewährleisten, die sie am nötigsten brauchen. Das kann man beispielsweise in Uganda sehen, wo beruflich Pflegende Dörfer besuchen, um Basiswissen insbesondere zu persönlicher Hygiene und Sauberkeit im Haushalt zu vermitteln. Die Pflegefachpersonen bauen enge Beziehungen zur Bevölkerung auf und arbeiten mit lokalen Gesundheitsbeauftragten des Dorfes zusammen. Vergleichbares findet sich auch in den USA, wo professionell Pflegende mit Sozialarbeitern partnerschaftlich zusammenarbeiten. Ziel ist, tiefe Gemeinschaftsbeziehungen und Expertise vor Ort zu entwickeln, um eine gute Gesundheitsversorgung und koordinierte Dienstleistungen zu den Menschen zu bringen, die mit Obdachlosigkeit, Sucht und Übergängen aus der Haft zu kämpfen haben.

Schließlich sind es auch Pflegefachpersonen, die mithelfen, die Anliegen von Patienten auf den Tisch der Politik zu bringen, denn sie stehen ihnen am nächsten unter allen Gesundheitsberufen. Das erste UN High-Level Meeting (HLM) zu Universeller Gesundheitsversorgung (Universal Health Coverage, UHC) wird im Rahmen der United Nations General Assembly 2019 stattfinden. Dies ist eine Chance für die Pflege, sich zu Wort zu melden. Wir müssen vorbereitet sein – und das Handbuch zum diesjährigen Internationalen Tag der Pflegenden wird als wichtige Ressource und Evidenz helfen, dass Pflegefachpersonen rund um den Globus die verschiedenen Aspekte universeller Gesundheitsversorgung und der Rolle der Pflege darin verstehen.

ICN ist der Überzeugung, dass professionell Pflegende als Teil multidisziplinärer Teams Gesundheitssysteme schaffen können, die soziale, ökonomische, kulturelle und politische Determinanten von Gesundheit berücksichtigen. Wir können Ungerechtigkeiten in Bezug auf Gesundheit adressieren und – durch Rückbesinnung auf Gesundheitsförderung und Prävention von Krankheiten mit dem Ansatz auf Gesundheit der Bevölkerung – die Gesundheit von allen und überall verbessern.

Und schließlich glauben wir, dass die Zeit reif ist und professionell Pflegende ihre Führungsrolle behaupten müssen. Als größte Berufsgruppe in allen Gesundheitssystemen der Welt und tätig in allen Bereichen, wo Gesundheitsversorgung erbracht wird, hat Pflege ein immenses Potenzial und hohen Wert, wenn sie angemessen genutzt wird, um endlich die Vision von „Gesundheit für alle“ zu erreichen.

 
 

1. Gesundheit für alle

Pflege, Weltgesundheit und universelle Gesundheitsversorgung – Auszüge aus dem Handbuch des International Council of Nurses in deutscher Übersetzung

Das vollständige Handbuch kann bei ICN abgerufen werden: Nurses - a voice to lead

Zitat1 Adhanom Ghebreyesus

Am 12. September 1978 trafen sich die Vertreter von 134 Ländern in Alma Ata in Kasachstan zur Internationalen Konferenz über Primäre Gesundheitsversorgung (PHC). Dieses Event markierte einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte von Public Health und war das erste seiner Art, bei dem sich Regierungen, Entwicklungshelfer, Gesundheitsberufe und die Weltgemeinschaft verpflichteten, die Gesundheit der Weltbevölkerung zu schützen und zu fördern – durch den Fokus auf Primäre Gesundheitsversorgung.

Die Deklaration war tiefgreifend in ihren Botschaften, da sie die führende Rolle der Kommune in der Gesundheitsplanung unterstützte, das Elitedenken in der modernen Medizin abschwächte und soziale Ungleichheit für bessere Gesundheitsergebnisse anpackt. Es war in dieser Zeit, dass „Gesundheit für alle“ das erste Mal mit Leitlinien und Maßnahmen unterlegt deutlich ausgesprochen wurde.

In ihrem Kern bekräftigte die Deklaration von Alma Ata, dass bessere Gesundheit nur durch die Kombination von Gesundheitswissenschaft, gesundheitsfördernder Wirtschaft und Politik und Maßnahmen gegen soziale Ungerechtigkeiten erreicht werden kann. Mutig sagte sie: „Gesundheit ist ein Menschenrecht.“ Solange es Ungleichheit und Ungerechtigkeit gibt, wird „Gesundheit für alle“ unerreichbar bleiben.

Vierzig Jahre später sind die Botschaften der Alma-Ata-Deklaration nach wie vor relevant. Obwohl seit 1978 einige Fortschritte erzielt werden konnten, haben wir Veränderungen in der Breite gesundheitlicher Schwachstellen gesehen. Änderungen im Lebensstil und in der Umwelt haben neue Herausforderungen in Bezug auf Gesundheit verursacht: Es sterben mehr Menschen durch chronische Erkrankungen als durch Infektionskrankheiten. Die Einkommensungleichheiten sowie der Ausschluss von politischer Beteiligung bestehen weiter und die Schere zwischen Armen und Reichen hat sich weiter geöffnet. Global sind wir durch Reisen, Handel und kulturellen Austausch zunehmend verbunden. Das hat zu neuen kommerziellen Interessen bezüglich Lebensmitteln, Alkohol und Tabak geführt, die oft Bemühungen der Länder um die Reduzierung nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs) untergraben und erschweren.

„Gesundheit für alle“ kann deshalb nicht nur ein Endziel sein, sondern die Aufforderung zum Handeln im Bereich sozialer Gerechtigkeit mit dem Kernprinzip für alle Länder und die internationale Gemeinschaft, für eine bessere Gesundheit der Menschen zu sorgen.

 
 

Die Herausforderung vor uns

Während es signifikante Erfolge im medizinischen und technischen Fortschritt rund um die Welt gegeben hat, lassen sich zunehmende Missverhältnisse zwischen und innerhalb von Ländern bei der Verbesserung von Gesundheit beobachten. Biomedizinische und technologische Ansätze in Bezug auf Gesundheit können nur begrenzt die Gesundheit verbessern, insbesondere wenn Gesundheit ganzheitlich als „vollständiges körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden“ betrachtet wird. Man könnte sogar sagen, dass der biomedizinische Ansatz bzgl. Gesundheit dazu geführt hat, dass die anderen Determinanten von Gesundheit vernachlässigt worden sind.

Dies wurde jüngst in der WHO High Level Commission on Non-Communicable Diseases (NCDs, auch bekannt als chronische Erkrankungen) bekräftigt. Die Kommission berichtet, falls der Status quo unverändert bleibt, werde das Ziel der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG), nämlich das vorzeitige Sterben an NCDs bis 2030 um 30% zu verringern, nicht erreicht. Der Bericht stellt fest, der Hauptgrund dafür sei, dass viele politische Verpflichtungen nicht umgesetzt worden seien und Länder nicht auf dem Weg hin zu diesem Ziel sind. Bestenfalls sind die Maßnahmen in den Ländern ungleichmäßig. Nationale Investitionen bleiben beklagenswert gering und es werden nicht genügend internationale Fördermittel mobilisiert.

Der zu fordernde Ansatz, um vorzeitiges Sterben zu verringern, müsse ‚Gesundheit in allen politischen Strategien, in einer gesamten Regierung und in der Gesamtgesellschaft sein. Sie alle müssen die sozialen Determinanten von Gesundheit einschließlich Lebensstil und Umwelt in Angriff nehmen.‘ Jedoch, so sagt der Report, fehlt es am politischen Willen, an einer Selbstverpflichtung, an Kapazitäten und Aktionen gegen NCDs. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass für besseren Erfolg alle Aktivitäten in einen Menschenrechtsrahmen gestellt werden müssen.

Die Herausforderung ist nicht beschränkt auf NCDs. Wie die Datenlage zeigt, sind im 20. Jahrhundert Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigt durch Katastrophen, Armut, Infektionskrankheiten, Kriege und andere humanitäre Faktoren.

Für Regierungen und Gesundheitsdienstleister gilt, dass sie schwierige Entscheidungen treffen müssen, um das Beste aus den begrenzten Ressourcen herauszuholen, die ihnen zur Verfügung stehen. Pflegefachpersonen sind ideal positioniert, um die Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen und die Politikentwicklung zu lenken und mit ihrem Wissen zu bereichern. Grundlage hierfür ist nicht nur ihre Rolle als Fürsprecher der Patienten, sondern auch ihre wissenschaftlich begründete Kompetenz, die Größe der Berufsgruppe sowie die Reichweite ihrer Pflege über einen gesamten Lebenszyklus und das Versorgungskontinuum.


Übersicht zu den Todesursachen des 20. Jahrhunderts

 
 

Was ist ‘Gesundheit für alle’?

Gesundheit für alle ist ...
Gesundheit für alle ist ...

„Gesundheit für alle bedeutet, dass Gesundheit in einem bestimmten Land für jeden erreichbar ist.“ Gesundheit meint in diesem Kontext nicht nur die Verfügbarkeit von Gesundheitsdienstleistungen, sondern einen vollständigen Zustand physischer und psychischer Gesundheit, die eine Person in die Lage versetzt, ein sozial und wirtschaftlich produktives Leben zu führen.

In diesem Rahmen wird Gesundheit als Menschenrecht betrachtet, bei dem soziale Entwicklung und wirtschaftliche Faktoren für ‚Gesundheit für alle‘ prädeterminiert sind. Der Schwerpunkt liegt auf dem Schutz und der Förderung von Gesundheit, einschließlich der Beseitigung von sozialer Ausgrenzung und gesundheitlichen Ungleichheiten. Dies hat wiederum positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und den Weltfrieden. Die Beweise dafür wurden von der Lancet-Kommission veröffentlicht, die feststellte, dass jeder bis 2035 investierte US-Dollar einen Ertrag von 9 bis 20 US-Dollar bringen würde.

Pflegefachpersonen sind an vorderster Front dabei, um die Rechte der Verbraucher zu fördern. Sie betrachten es als Menschenrecht und Pflicht, dass Menschen als Gruppe oder individuell an der Planung und Durchführung ihrer Versorgung beteiligt sind. Im ICN-Ethikkodex heißt es: „Untrennbar von Pflege ist die Achtung der Menschenrechte, einschließlich kultureller Rechte, des Rechts auf Leben und Entscheidungsfreiheit, auf Würde und auf respektvolle Behandlung. Pflege wird mit Respekt und ohne Wertung des Alters, der Hautfarbe, des Glaubens, der Kultur, einer Behinderung oder Krankheit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Nationalität, der politischen Einstellung, der ethnischen Zugehörigkeit oder des sozialen Status ausgeübt. Es besteht ein universeller Bedarf an Pflege“.

Die Ideale und Kernelemente von ‘Gesundheit für alle’ aus 1978 sind noch nicht erreicht worden. Jedoch ist man ihnen inzwischen ein ganzes Stück nähergekommen. Mit der Zustimmung von Ländern zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen geht es nun in die richtige Richtung, um die Plagen unserer heutigen Zeit zu adressieren.

 
 

Von ‘Gesundheit für alle’ zu Universeller Gesundheitsversorgung

Zitat2 Adhanom Ghebreyesus

Universelle Gesundheitsversorgung (UHC) adressiert die Vision ‚Gesundheit für alle‘ mehr als die Alma Ata Deklaration. Hauptgrund dafür ist, dass UHC einen umfassenderen Ansatz zu wesentlichen Gesundheitsleistungen bietet (sogar mehr als Primäre Gesundheitsversorgung), außerdem betrachtet UHC auch die relevanten finanziellen Aspekte. Ein Defizit an UHC im Vergleich zu der ursprünglichen Erklärung von Alma Ata ist jedoch die mangelnde Konzentration auf die Einbindung von Familie und Gemeinschaft in die Entscheidungen der Gesundheitsversorgung. Die nächsten Schritte und Herausforderungen für UHC in den nächsten Jahren sind die Befähigung von Menschen und Gemeinschaften, an Entscheidungsfindung mitzuwirken, um ein humaneres, unabhängigeres und weniger finanziell belastendes Gesundheitssystem zu schaff

Universelle Gesundheitsversorgung

Universelle Gesundheitsversorgung (UHC) bedeutet, dass alle Menschen und Gemeinschaften die gesundheitsfördernden, präventiven, kurativen, rehabilitativen und palliativen Gesundheitsdienste, die sie benötigen, auch nutzen können. Und zwar in solcher Qualität, dass sie wirksam sind. Gleichzeitig muss sichergestellt sein, dass die Nutzung dieser Dienste den Benutzer nicht in finanzielle Schwierigkeiten bringt.

Obwohl die Deklaration ‚Gesundheit für alle‘ von 1978 mit der überwältigenden Unterstützung der Regierungen unterzeichnet wurde, ging der Schwung rasch verloren. Nach dieser ersten Erklärung dauerte es über 20 Jahre, bis die Bewegung aufgrund des Einflusses globaler Gesundheitsprobleme wie HIV / AIDS und Tuberkulose wieder anlaufen konnte. 2005 verpflichteten sich die Länder, die Finanzmechanismen zu reformieren, um den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern. Diese Verpflichtung wurde acht Jahre später in der 67. Generalversammlung der Vereinten Nationen mit einer Resolution, die den UHC unterstützte, erfüllt.

Der Nutzen Universeller Gesundheitsversorgung (UHC)
Der Nutzen Universeller Gesundheitsversorgung (UHC)




Drei mit UHC verknüpfte Zielvorgaben:

  1. Die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen sollte gut genug sein, um die Gesundheits derjenigen zu verbessern, die sie erhalten.

  2. Gerechtigkeit beim Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen – jeder, der Versorgung benötigt, sollte sie erhalten; nicht nur diejenigen, die dafür bezahlen können.

  3. Die Menschen sollten vor finanziellen Risiken geschützt sein; es ist sicherzustellen, dass entstehende Kosten der Versorgung nicht in ein finanzielles Debakel bringen.
 
 
 

Warum sollten sich professionell Pflegende für globale Herausforderungen der Gesundheit interessieren?

Je nach Tätigkeitsfeld bieten Pflegefachpersonen eine passende, verfügbare und evidenzbasierte Versorgung. Sie arbeiten unabhängig, als Teil multidisziplinärer Teams und beteiligen sich an sektorübergreifender Zusammenarbeit:

  • um denen vorrangig zu helfen, die diese Hilfe am meisten benötigen und Ungerechtigkeiten in Bezug auf Gesundheit zu adressieren
  • um die Eigenständigkeit, Partizipation und Kontrolle einer Gemeinschaft und des Individuums zu maximieren
  • um Zusammenarbeit und Partnerschaft mit anderen Sektoren sicherzustellen, damit Gesundheit gefördert und maximiert werden können
Individuen und Gemeinschaften
Icon Fachkräfte
Icon Welt

Fürsprecher und Betreuer von Individuen und Gemeinschaften

Pflegefachpersonen beantworten die Gesundheitsbedürfnisse von Individuen, Gemeinschaften und der Welt. Ein Teil dieser Gleichung ist die Nähe der Pflegerolle zur Person. Professionell Pflegende sind in der Lage, mit Einzelpersonen und mit Gemeinschaften zu arbeiten, und sind in der zentralen Position, Gesundheitssysteme zu entwickeln, die besser auf die Gesundheitsbedürfnisse der Bevölkerung vorbereitet sind.

 
 

Qualifizierte Fachkräfte mit dem Potenzial ‚Gesundheit für alle‘ zu verbessern

Pflege ist die Profession gewesen, die öffentliche Gesundheit gefördert hat. Sie vertritt die Rechte aller, einschließlich der vulnerabelsten Menschen weltweit, betreut über die gesamte Lebensdauer und praktiziert Gesundheitsbildung in der Bevölkerung, um bessere Gesundheit und Wohlbefinden zu erreichen. Als weltweit größter Gesundheitsberuf, der in allen Bereichen der Gesundheitsfürsorge tätig ist, hat die Pflege ein enormes Potenzial und hohen Wert, wenn sie entsprechend genutzt wird, um die Vision ‚Gesundheit für alle# endlich zu erreichen.

 
 

Die Welt sucht nach Wegen, um ‘Gesundheit für alle’ zu erreichen

Die Erklärung von Alma Ata ist in ihrem Versuch, ‚Gesundheit für alle‘ zu schaffen, gescheitert. 40 Jahre später hat die Hälfte der Weltbevölkerung keinen Zugang zu lebenswichtigen Gesundheitsdienstleistungen. Die Dominanz eines Ansatzes der „Abwesenheit von Krankheit" und die Prominenz des medizinischen Modells bedeuten, dass ‚Gesundheit für alle‘ niemals erreicht werden kann. Alternde Gesellschaften und veränderte Krankheitsmuster erfordern einen anderen Ansatz für die Gesundheit, der ein ganzheitliches personenzentriertes Modell betrachtet. Dieser Rahmen steht im Mittelpunkt der Pflege und ist mit der zunehmenden wissenschaftlichen Kompetenz der Pflegefachpersonen sowie erweiterten Rollen (z. B. Potenzial für Verordnung, Durchführung von Prozeduren, Überweisung usw.) gekoppelt.

 

Pflege als Teil eines multidisziplinären Teams und einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit kann ein Gesundheitssystem schaffen, das die sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Determinanten von Gesundheit, gesundheitlichen Ungleichheiten, Gesundheitsförderung, Prävention, Behandlung und Pflege von Kranken sowie die Entwicklung der Gemeinschaft, Interessenvertretung, Rehabilitation, intersektorales Handeln und Ansätze für Gesundheit der Bevölkerung berücksichtigt.

 
 

2. Globale Herausforderungen für Gesundheit mit Bezug zu ‚Gesundheit für alle‘

Zitat Gesundheit Virgil
Globale Herausforderungen für Gesundheit


Die Alma Ata Deklaration stellte einen neuen Weg vor, durch den Gesundheit gefördert werden muss. Sie erkannte in Ergänzung des Zugangs zu guten Gesundheitsleistungen die Bedeutung sozialer, ökonomischer und umweltbedingter Faktoren an, die Einfluss nehmen auf die Gesundheit von Individuen und der gesamten Bevölkerung. Die Deklaration bekräftigte außerdem, dass alle Menschen in allen Nationen ein fundamentales Recht auf Gesundheit haben und dass Regierungen dafür Verantwortung tragen, dass dieses Recht aufrechterhalten wird.

In der Reihe „Nurses a Voice to Lead“ der Publikationen zu den Internationalen Tagen der Pflegenden haben wir uns auf diese beiden Elemente konzentriert: die sozialen Determinanten für Gesundheit (Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele – 2017) und Zugang zu Gesundheitsleistungen (Gesundheit ist ein Menschenrecht – 2018). Jetzt im dritten Teil der Reihe betrachten wir beide Elemente in ihrer Verbindung zu einigen der großen globalen Herausforderungen für Gesundheit unserer Zeit. Und wir zeigen die wichtige Rolle von Pflegefachpersonen auf, wenn es darum geht, Gesundheit und Wohlbefinden von Individuen, Gemeinschaften und der Welt zu verbessern.


Die Nachhaltigen Entwicklungsziele bieten einen strategischen Fokus und Kohärenz auf Sicherung der Weltgesundheit, universelle Gesundheitsversorgung und Bevölkerungsgesundheit. Sie betonen, wie wichtig es ist, die Prioritäten integriert zu verfolgen, denn sie beeinflussen sich gegenseitig. Die Pläne der WHO über die kommenden Jahre haben drei strategische Prioritäten – bekannt geworden als Triple Billion goals:

  1. Eine Billion mehr Menschen, die universelle Gesundheitsversorgung nutzen können.
  2. Eine Billion mehr Menschen, die besser vor gesundheitlichen Notfällen geschützt sind.
  3. Eine Billion mehr Menschen, die bessere Gesundheit und Wohlbefinden genießen können.
 
 

3. Ergebnis von Lebensweise und Umwelt – nichtübertragbare Krankheiten

Egal in welchem Land der Welt – die Evidenz ist klar und belegt, dass die enorme Zunahme nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs) die Haushalte der Gesundheitssysteme belastet und knappe Ressourcen von anderen Gesundheits- und Entwicklungsprioritäten abzieht. Wie Helen Clark einmal sagte: „NCDs halten nationale und globale Wirtschaft und Gesellschaft zurück“. NCDs rauben den Menschen ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihren Reichtum. Sie schaffen und verschärfen gefährdete Gemeinschaften.

58% der weltweiten Mortalität wird entweder durch Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und/oder Diabetes verursacht.

In der Pazifikregion spielt das eine große Rolle. Noch in den 1960er Jahren war Diabetes auf den Pazifischen Inseln ein kleines Gesundheitsproblem. Heute verliert im Durchschnitt alle 1,3 Tage ein Mensch aus Tonga einen Teil seiner unteren Gliedmaßen und gerät so in eine körperliche Behinderung. Dies ist nicht beschränkt auf Tonga, tatsächlich sind die Zahlen in anderen pazifischen Inselstaaten wie den Fidji-Inseln noch schlechter. Dort gibt es pro Jahr mehr als 800 Amputationen der unteren Extremitäten. Die Region sieht sich den höchsten Risiken und der höchsten Quote von Personen mit NCDs weltweit gegenüber. Die WHO betrachtet NCDs als eine der schlimmsten Bedrohungen für Gesundheit und Entwicklung weltweit. Tatsächlich geht man bei der WHO davon aus, dass das Nachhaltige Entwicklungsziel, die Sterblichkeit durch NCDs bis 2030 um 30% zu senken, nicht erreicht werden kann, wenn die gegenwärtige Situation anhält.

2/3 der Todesfälle durch NCDs sind verknüpft mit Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel.

NCDs und die damit verbundenen Risikofaktoren haben eine starke Korrelation zu den sozialen Verhältnissen, in die Menschen hineingeboren sind bzw. in denen sie aufwachsen, leben, arbeiten und alt werden. Menschen, die in Armut leben, haben ein höheres Risiko früh und durch nichtübertragbare Krankheiten zu sterben. Wer in Ländern mit mittleren Einkommen lebt, trägt ein doppeltes Risiko, vorzeitig durch eine NCD zu sterben. Die größte Last an NCDs lösen vier Haupterkrankungen aus – Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, chronische Lungenerkrankungen und Diabetes. Jede dieser Erkrankungen ist weitgehend vermeidbar, indem die folgenden vier Risiken adressiert werden: Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch, ungesunde Essgewohnheiten und Bewegungsmangel.

Die Bedrohung ist real, aber es sind Maßnahmen möglich, um die Flut von NCDs einzudämmen. Die gute Nachricht ist, dass es sich schnell und nachhaltig auszahlt, wenn in evidenzbasierte Interventionen investiert wird. Die WHO konstatiert, dass jeder in eine evidenzbasierte Strategie investierte US-Dollar letztlich sieben US-Dollar Gewinn erbringt. Dadurch können nicht nur Menschenleben gerettet und die Gesundheit der Bevölkerung verbessert werden. Es folgt darüber hinaus ein erheblicher ökonomischer Benefit, ganz besonders für Länder mit mittleren Einkommen.

 
 

4. Universelle Gesundheitsversorgung und die Antwort der Gesundheitssysteme auf nichtübertragbare Krankheiten

Zu den wichtigsten treibenden Kräften in Richtung universeller Gesundheitsversorgung (UHC) zählt der Umgang mit Infektionskrankheiten und das Abschwächen des Pandemie-Risikos. Weil aber nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) als häufigste Todesursachen die übertragbaren Erkrankungen abgelöst haben, müssen sie elementarer Teil jeder UHC-Rahmenstrategie sein. Zu den wichtigsten Wegen dahin gehört die Neuausrichtung der medizinischen Grundversorgung (PHC) beim Umgang mit chronischen Erkrankungen.

PHC ist für die meisten Patienten die Eintrittspforte zum Gesundheitssystem; allerdings ist gerade in ressourcenschwachen Settings PHC häufig fokussiert auf periodische Akutversorgung in sekundären oder tertiären Zentren. Versorgungsmodelle, die nicht auf umfassender medizinischer Grundversorgung basieren und charakterisiert sind durch knappe, episodische Konsultationen, werden die Bedarfe nicht decken und die Komplexität nichtübertragbarer Krankheiten nicht verhüten und kontrollieren können. Sie zielen stattdessen auf Diagnosestellung und sofortige Behandlung akuter Episoden oder Erkrankungen ab.

Nachhaltigere PHC-Systeme erzielen bessere Gesundheitsergebnisse. Systeme sind stärker, wenn sie umfassender, koordiniert, gemeinschaftsbasiert, universell, erreichbar und familienorientiert ausgestaltet sind. Um die höchste Wertschöpfung und die meisten Vorteile von PHC zu erreichen, ist es unerlässlich, zu einem ganzheitlichen Versorgungsmodell zu wechseln.

Es zeigt sich: Die beste Strategie, das Risiko von NCDs zu reduzieren, ist es, die Lebensführung und Umfeldfaktoren zu adressieren. Das erfordert Maßnahmen über Sektorengrenzen hinweg. Dabei muss der Gesundheitssektor als führend einbezogen werden, denn nur so können die erforderlichen Bemühungen und Chancen realisiert werden. Es ist außerdem von großer Bedeutung, dass NCDs in die universelle Gesundheitsversorgung einbezogen werden, um die Versorgungslücke bei NCDs zu schließen und die Raten unnötiger Todesfälle und Behinderungen bei denen zu senken, die bereits erkrankt sind.

 
 

5. Wertbasierte Gesundheitsversorgung – das Allheilmittel?

Bei einer aktuellen Gesundheitskonferenz berichtete der Gesundheitsminister in seiner Eröffnungsrede, dass die Regierung weitere 2 Billionen US-Dollar für das Gesundheitswesen bereitstelle, d.h. 15% mehr über einen Zeitraum von drei Jahren. In derselben Rede versprach er die Zahl der Ärzte, Pflegefachpersonen und anderer Mitarbeiter innerhalb des Gesundheitssystems zu erhöhen. Mag sein, dass dies in dem betreffenden System nötig war – der Fokus lag allerdings nicht darauf, bessere Gesundheitsergebnisse für die Bevölkerung zu erreichen, sondern auf einer Steigerung der Gesundheitsleistungen. Bei steigender Lebenserwartung, begleitet vom Anstieg chronischer Erkrankungsverläufe, ist ein solcher „business-as-usual“-Ansatz weder erschwinglich noch nachhaltig. Um auch künftig noch erreichbare, gute und personenzentrierte Versorgung erbringen zu können, müssen Regierende und andere Entscheidungsträger Gesundheitskosten mit Gesundheits-Outcomes in Beziehung setzen. Nur so kann der echte Wert für Patienten, Individuen und die Gemeinschaft verbessert werden.

Gesundheit ist eine wichtige Wegbereiterin für Glück und eine der Schlüsselvoraussetzungen für starke Wirtschaftskraft; aber es gibt enorme Herausforderungen, wenn es darum geht, gesündere Lebensweisen zu fördern und den Zugang zu guter und erreichbarer Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Die Herausforderungen für Regierungen und Leistungserbringer, die Kosten im Rahmen zu halten und gleichzeitig Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung zu verbessern, sind signifikant. Wertbasierte Gesundheitsversorgung ist ein systemischer Ansatz, der die Patientenoutcomes mit niedrigeren Kosten zu verbessern sucht. Ein Ansatz, der versucht, beide Interessen zu verknüpfen: die des Gesundheitssystems und die des Patienten.

Nutzen muss auf allen Ebenen des Gesundheitssystems erreicht werden, nicht nur im Krankenhaus, bei speziellen Interventionen oder in der medizinischen Grundversorgung. Wertschöpfung entsteht, wenn die Versorgung über den Gesundheitszustand eines Patienten hinweg über den gesamten Verlaufszyklus erfolgt. Wenn Outcomes besser werden, ist dies der wichtigste Aspekt, um Wertschöpfung zu steigern und Kosten zu senken.

Wertbasierte Gesundheitsversorgung

Deshalb geht es im Kern wertbasierter Versorgung darum, den Nutzen für den Patienten zu maximieren – d.h. die besten Outcomes zu erzielen, während Kosten und Mühen tragbar bleiben und Erwartungen erfüllt werden. Das führt weg von einem angebotsinduzierten Gesundheitssystem, das um die Tätigkeiten des Arztes herum organisiert ist, hin zu einem personenzentrierten System mit dem Fokus darauf, was Individuen und Gemeinschaften am dringendsten brauchen. Dies dreht das Denken von „what’s the matter with patients“ zu „what matters to patients“. So betonte es auch Sir Robert Francis in der öffentlichen Untersuchung zu Mid-Staffordshire in England: „Die Qualität der Versorgung macht sich daran fest, welche Erfahrungen der Patient macht und welche Ergebnisse erzielt werden. Entscheidungen, die die Qualität beeinflussen, müssen die Perspektive der Patienten einbeziehen, um das richtig zu begreifen.“

Acht Millionen Todesfälle sind in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen auf schlechte Gesundheitsversorgung zurückzuführen.

Viele Länder sind nicht einmal in der Lage, wenigstens eine Grundversorgung zu bieten, die eine verlässliche und wirksame Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung darstellt. Selbst Länder, in denen allgemeine Gesundheitsversorgung gilt, kämpfen mit den Gesundheitsbedürfnissen einer alternden Bevölkerung, der wachsenden Last chronischer Erkrankungen, steigender Lebenserwartung, höheren Verbrauchererwartungen und eskalierenden Gesundheitskosten, die durch neue Technologien und Behandlungsmöglichkeiten entstehen. Die Nachhaltigkeit universeller Gesundheitsversorgung ist gefährdet, wenn die Gesundheitssysteme sich nicht verändern und an das veränderte Umfeld anpassen.

Die dritthäufigste Todesursache in den USA sind Behandlungsfehler.

Die Prämisse von UHC ist das Erbringen hochwertiger Gesundheitsversorgung, die für alle zugänglich ist und das zu einem für beide Seiten - den Konsumenten und den Staat - erschwinglichen Preis. Das beinhaltet die richtige Versorgung zur richtigen Zeit und durch den richtigen Leistungserbringer; gleichzeitig sollen Schäden und Ressourcenverschwendung minimiert sowie niemand zurückgelassen werden. Allerdings tritt Gesundheitsversorgung mit schlechter Qualität in Ländern aller Einkommensstufen auf. Das beinhaltet falsche Diagnosen, Behandlungsfehler, unpassende und unnötige Behandlung, unangemessene und unsichere klinische Ausstattung oder Ausführung. Beispielsweise können in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen (LMIC) 10% aller Krankenhauspatienten während ihres Aufenthaltes einen Krankenhauskeim bekommen (dagegen 7% in Ländern mit hohen Einkommen). Einigen Berichten zufolge konnten in verschiedenen LMIC Gesundheitsdienstleister nur in 33 – 66% aller Fälle eine korrekte Diagnose stellen, und nur 45% folgten mit der Behandlung klinischen Leitlinien. Einige Studien zeigen: Selbst wenn der Zugang zu Gesundheitsleistungen weltweit verbessert wird, bleibt der Benefit für Patienten und Gemeinschaften begrenzt.

Ein nutzenbasierter Gesundheitsansatz kann dabei helfen, ein qualitativ gutes und erreichbares Gesundheitssystem zu implementieren. Jedes Land wird ein anderes Set von Interventionen benötigen – abhängig vom Bedarf. Aber es gibt ein paar grundlegende und preiswerte Interventionen, die für alle Länder erreichbar sind. Ein wertbasierter Ansatz kann helfen, solche Leistungen zu identifizieren und zu fördern, die die größten Vorteile für Individuen und die Gemeinschaft erbringen. Weitere Vorteile beinhalten:

  • Der Patient wird ins Zentrum des Systems gestellt.
  • Das Gesundheitssystem wird mehr am Versorgungskontinuum anstatt an der unmittelbaren Behandlung orientiert.
  • Die Versorgung wird rund um den Patienten und abhängig von seinem Befinden organisiert - in integrierte Einheiten.
  • Nutzen und Kosten für den Patienten werden gemessen, verglichen, Variationen werden identifiziert und Exzellenz gefördert.
  • Erfolg kann aus Sicht des Leistungserbringers und des Systems besser definiert werden.
  • Multidisziplinäre Versorgung und Innovation werden vorangetrieben.
  • Reduzierung der Kosten wird gefördert und Wert gesteigert.
  • Bereiche zum Erweitern und Angliedern von Dienstleistungen werden validiert.

“Selbst wenn die gegenwärtige Bewegung hin zu universeller Gesundheitsversorgung Erfolg hat, ändert das nichts daran, dass trotzdem Billionen von Menschen nur Zugang zu gesundheitlicher Versorgung in so schlechter Qualität haben werden, dass sie ihnen nicht hilft, sondern häufig sogar eher schadet.“ Don Berwick, em. Professor und Senior Fellow, Institute for Healthcare Improvement.

 
 

Wertbasierte Gesundheitsversorgung und die Rolle der Pflege

Wertbasierte Gesundheitsversorgung ist Treiber von Qualität und erreichbarer Betreuung – und fördert als solche medizinische Grundversorgung, effektives Gesundheitsmanagement für die Bevölkerung, höheres Engagement der Patienten und der Gesellschaft sowie interdisziplinäre Versorgung und Zusammenarbeit in Teams. Fortschritte auf all diesen Gebieten wird den Bedarf an Pflegefachpersonen ansteigen lassen und ihre Rolle in der Versorgung erweitern. Damit das Gesundheitssystem die möglichen Vorteile, die wertbasierte Versorgung bietet, erreichen kann, müssen Politik und Gesundheitssysteme sicherstellen, dass die Pflegeprofession mit angemessener Ausbildung und Handlungshilfen ausgerüstet wird und ihr ganzes Potenzial in der Praxis einbringen kann. Als Erfolgsmodell erweist sich hierbei das pflegegesteuerte Management chronischer Erkrankungen: Dort können Krankenhausverweildauern abgesenkt, Versorgungsergebnisse verbessert und Notfall-Einweisungen reduziert werden. Indem Pflegefachpersonen darin unterstützt werden, ihr Kompetenzpotenzial voll einzusetzen sowie durch wirkungsvolle Nutzung pflegerischer Leitung gestalten Gesundheitssysteme gute Gesundheitsversorgung und erzielen bessere Gesundheitsergebnisse für Individuen und Gemeinschaften – auf effizientem Kostenniveau.

Der größte Bereich für Fortschritte bei der Implementierung und Verbesserung einer nutzenbasierten Gesundheitsversorgung ist die Sammlung und Analyse von Pflegedaten. Diese Informationen sind ausschlaggebend für effektive Entscheidungsfindung und Bestandteil der Qualität von Gesundheitsversorgung und damit verknüpften Outcomes. Professionell Pflegende arbeiten in einem datenintensiven Tätigkeitsfeld und man kann viel gewinnen, wenn man solche Informationen sachgerecht zusammenträgt. Das beinhaltet beispielsweise:

  • Höhere Patientensicherheit
  • Besseres Verstehen der Patienten-Outcomes
  • Effiziente Koordination der Versorgung
  • Stärkeres Analysieren der Performance
  • Zeitnaher Zugang zu verständlichen Patienteninformationen
  • Bessere Nutzung vorhandener Ressourcen

IT-Systeme, die Daten und Informationen zu Pflege erheben, können die Gesundheitsindustrie revolutionieren und die Entwicklung eines wertbasierten Gesundheitssystems unterstützen. So wird nicht nur die Effizienz erhöht, sondern auch die Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Patienten und ihrer Angehörigen verbessert. Das wird zahllose Leben retten und die Lebensqualität verbessern.

 
 

6. Innovatives Vorangehen hin zu ‘Gesundheit für alle’: Pflege und die Arbeit professionell Pflegender

Die Rollen von Pflegefachpersonen dehnen sich aus, verändern sich und kontrahieren in kreativer und genialer Art und Weise, um wechselnde Situationen und Bedarfe des Gesundheitssystems, in dem sie tätig sind, zu adressieren. Vulnerable Bevölkerungsgruppen finden sich überall und professionell Pflegende haben Wege gefunden, um deren Bedürfnisse besser zu beantworten.

Einige Beispiele:

  • Unterversorgte ländliche Ortschaften (die Pflegefachpersonen des Flying Doctors Service führen Gesundheitschecks bei Rindvieh-Auktionen im australischen Outback durch, Nurse Practitioners in Inuit-Siedlungen in Kanada)
  • Strafgefangene (wo Pflegende möglichst versuchen, das Spektrum der Dienstleistungen oft als Ergebnis von Aspekten sozialer Determinanten der Gesundheit zu erbringen)
  • Flüchtlinge und Einwanderer (in beiden Situationen: beim Warten in Lagern auf Eingliederung sowie bei Ankunft im fremden Land)
  • Einzelpersonen und Familien in Konfliktregionen
  • Opfer natürlicher oder von Menschen ausgelöster Katastrophen
  • Menschen, die durch Ausbruch von Krankheiten und Epidemien bedroht sind
  • Individuen und Familien, die nicht in der Lage sind, auf Gesundheitssysteme und ihre Dienstleistungen zuzugreifen bzw. mit ihnen adäquat zu interagieren (Pflegefachpersonen, die Familien unterstützen, verstehen die Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthaltes, welche Behandlung dort vorgenommen wird und wie die Rückkehr in die Gemeinschaft gesichert werden kann) 
  • Hochrisiko-Bevölkerungsgruppen, in denen Assistenz für spezifische Patienten-Kohorten gebraucht wird


Diese Beispiele können helfen, die Arbeit anderer Personen in ähnlichen Situationen zu verbessern. Allerdings gibt es zahllose weitere Beispiele, die nicht dokumentiert wurden und so für das Teilen von Wissen verloren sind, das für Fortschritte sorgt. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir weiter daran arbeiten, die Bedürfnisse der Schwachen zu artikulieren, den Erfolg der von uns entwickelten Programme zu bewerten und zu teilen, Berichte über diese Programme zu bewerten und zu veröffentlichen und die Initiativen, von denen wir wissen, dass sie funktionieren, einzustufen und bekannt zu machen. Arbeit der Einstufung und Einbeziehung der Initiativen, die wir kennen, zu leisten. Der Ansatz der Pflegepionierin Florence Nightingale kann Orientierung bieten.

Pflegefachpersonen haben auch festgestellt, dass es manchmal notwendig ist, aus der praktischen Arbeit auszusteigen, um ihre „pflegerische“ Suche nach ‚Gesundheit für alle‘ fortzusetzen. Sie haben erkannt, dass ihre Einflussmöglichkeit besser darauf ausgerichtet sein kann, politische Entscheidungsträger zu beeinflussen und näher an der politischen Entscheidungsfindung zu sein. Sie tun dies, indem sie in – gesundheitsbezogenen oder anderen – Gremien sitzen, deren Handeln Gesundheit beeinflussen, wie beispielsweise Schulräte, Gemeinderäte, indem sie Teil nationaler oder globaler Gesundheitsorganisationen oder sogar des nationalen Regierungsprozesses werden.
Überall auf der Welt erkennen professionell Pflegende, dass politischer Einfluss am effektivsten im Zentrum der Politikgestaltung platziert wird, dort, wo die Probleme definiert und Lösungsansätze verbreitet werden.

Globale Repräsentation, Führung und Fürsprache für die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften war die Aufgabe, in der sich die Krankenpflegerin Amanda McClelland nach jahrelanger Arbeit an der Ebola-Krise in Afrika wiederfand. Amanda, die in Genf lebt, reflektierte nach Jahren in diesem Tätigkeitsfeld, was sie als Pflegefachperson zu diesen hochrangigen globalen Gesprächen beitragen konnte.

"Meine Rolle war es, Übersetzerin zu sein, Informationen aus der Praxis in diese hochrangigen Meetings einzubringen, zu erklären, wie komplex und schwierig es ist, Programme tatsächlich umzusetzen. Und dann war es umgekehrt auch meine Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse und Anforderungen von diesen Meetings zurück ins Arbeitsfeld zu tragen und zwar auf eine Weise, dass sie in entsprechende Aktionen übertragen werden können.

Ich habe den Diskussionen über globale Strategien einen sozialen Mobilisierungs- und Gemeinschaftsaspekt hinzugefügt und wurde nach für nach gebeten, diesen Standpunkt auf Konferenzen im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf der ganzen Welt einzubringen. Meine Botschaft war immer die gleiche: Die Gemeinschaft muss im Mittelpunkt jeder gesundheitlichen Notfallplanung stehen. Es ist lustig, wie oft dieser vernünftige Ratschlag eine Überraschung bedeutete.“

Die Führungsqualitäten und den politischen Einfluss von Pflegefachpersonen zu fördern steht im Mittelpunkt der Arbeit von ICN. Dafür zu sorgen, dass professionell Pflegende bei Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitspolitik mitreden, ist von grundlegender Bedeutung, um sicherzustellen, dass diese Maßnahmen wirken und den tatsächlichen Bedürfnissen von Patienten, Familien und Gemeinschaften auf der ganzen Welt entsprechen. Pflegende sind der größte Gesundheitsberuf der Welt. Wir arbeiten in allen Bereichen, in denen Gesundheitsversorgung angeboten wird.

Mit Investitionen in unseren Beruf haben wir das Potenzial, das Erreichung der Vision ‚Gesundheit für alle‘ zu gewährleisten.

Internationale Rolle des DBfK

Als nationaler Vertreter der Pflege in Deutschland ist der DBfK international hervorragend vernetzt. Wir vertreten die Interessen der beruflich Pflegenden im International Council of Nurses (ICN), dem Weltverband der Pflegeberufe, sowie im europäischen Pflegeberufsverband EFN und europäischen Spezialistenorganisationen (siehe Übersicht zu unserem  Netzwerk).

Warum ist das wichtig? Innerhalb Europas verlieren nationale Grenzen zunehmend an Bedeutung, europäische Freizügigkeit und daraus resultierende Arbeitsmigration erfordern eine Harmonisierung von Rahmenbedingungen und Gesetzgebung. Die Globalisierung hinterlässt ihre Spuren - auch im Gesundheitswesen und für die Pflegeberufe. Sie schafft neue Herausforderungen und bietet neue Chancen. Auch in Deutschland gewinnt Brüssel zunehmend an Bedeutung: Viele Gesetze werden in auf EU-Ebene gemacht - und müssen anschließend in nationales Recht umgesetzt werden.

Ziel des DBfK ist deshalb, dass die Pflege eine starke Stimme in Brüssel hat und unmittelbar Einfluss nehmen kann auf Entscheidungen und Initiativen des EU-Parlaments und der EU-Kommission.

Der DBfK ist aktives Mitglied der European Federation of Nurses Associations (EFN). Auf diese Weise gestalten wir die Schnittstelle zwischen nationalen und internationalen politischen Interessen innerhalb der EU.

Zu den wichtigen internationalen Themen gehören beispielsweise

  • die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen,
  • der weltweite Fachpersonalmangel in der Pflege,
  • Vergleichbarkeit von Qualifikationsniveaus,
  • der Umgang mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen in den Gesundheitssystemen, 
  • Teilen von Wissen und Evidenz,
  • gemeinsame Projekte oder
  • gemeinsame Veranstaltungen.

Teil unserer internationalen Aktivitäten ist u.a. die Herausgabe internationaler Positionspapiere, Handbücher und Stellungnahmen in deutscher Sprache, sofern es sich um Themen handelt, die für die Pflege in Deutschland relevant sind.

Auswahl der aktuellen Publikationen