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Pflege international #pflege2020

DBfK-Präsidentin Christel Bienstein und Talk mit DBfK-Mitgliedern zum Tag der Pflegenden

 
 
 
 
 

#PflegeNachCorona: Die Neubewertung der Pflege!

Pflege nach Corona



Zum internationalen Tag der Pflegeden geht die Aktion #PflegeNachCorona an den Start.

Wir bieten hier eine Plattform, auf der beruflich Pflegende ihre Forderungen an Politik und Gesellschaft u.a. zu den Themen Mitsprache, Gehalt, Arbeitsbedingungen, Bildung und Gesundheit formulieren können. Bundesweite Aktionen werden den gesammelten Forderungen bis zu einer Abschlusskundgebung am 11./12. November 2020 Nachdruck verleihen.

Adressaten sind Gesundheitsministerien auf Landes- und Bundesebene, Bundeskanzlerin und Bundespräsident.


In den Sozialen Medien macht der Hashtag #PflegeNachCorona auf die Aktion aufmerksam. Wir ermutigen ALLE beruflich Pflegenden, sich an der Kampagne zu beteiligen.


Jetzt Forderungen stellen: www.pflegenachcorona.de

Pflege nach Corona Webseit
 
 
 
 
 

Kreativwettbewerb zum Tag der Pflegenden #pflege2020

Zu Beginn des Jahres hatten wir beruflich Pflegende gebeten, Zeichnungen, Sprüchen, Cartoons, Fotos, Gedichte oder andere kreative Ideen als Postkartenmotive zum Tag der Pflegenden zu gestalten und so ihre ganz persönliche Sicht auf die Pflege im Jahr 2020 auszudrücken. 

Ein ordentlicher Stapel Einsendungen hat uns erreicht. Eine bunt gemischte DBfK-Jury aus acht Personen hat dann alle Entwürfe nach Originalität der Idee bzw. Darstellung, Aussagekraft zur Pflege und künstlerischem Ausdruck bewertet und diese drei Siegermotiv gekürt. Das war noch einige Zeit vor Corona - doch auch und gerade in der jetzigen Situation unterstreichen die Motive noch einmal die Bedeutung der Pflege. Es waren zahlreiche weitere preisverdächtige Einsendungen mit tollen Ideen dabei. Allen Teilnehmern sagen wir an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön!

Hier sind die drei Gewinnermotive: Sie können diese als GIF digital versenden oder posten, ausdrucken oder als fertige Postkarten bei uns im DBfK-Shop bestellen.

 
 

Internationaler Tag der Pflegenden 2020 im weltweiten Jahr der Pflegenden und Hebammen

ICN-Präsidentin Annette Kennedy

Das Motto des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai 2020 lautet: Nursing the World to Health. Damit fokussiert der International Council of Nurses (ICN) die große Bedeutung der professionellen Pflege für alle Menschen dieser Welt. Die drei Pflegeberufsverbände DBfK, OEGKV (Österreich) und SBK (Schweiz) haben sich für den deutschsprachigen Raum auf diese Übersetzung geeinigt: Die Welt GESUND PFLEGEN.

Die Worte von ICN-Präsidentin Annette Kennedy zum Internationalen Tag der Pflegenden bekommen durch die CoViD-Pandemie und die derzeitige Situation der beruflich Pflegenden noch einmal besonderen Wert und Nachdruck:

"Nach Meinung des International Council of Nurses (ICN) ist es äußerst wichtig, der Welt zu zeigen, wer professionell Pflegende sind und was sie tun – in diesem Jahr ganz besonders: dem Internationalen Jahr der Pflegenden und Hebammen. ICN will, dass die Stimme der Pflegenden rund um den Erdball zu hören ist und die Botschaft über unsere großartige Profession und ihren Beitrag zum Wohlergehen der Welt sich verbreitet. Als Pflegende, Heilende, Lehrende, Leitende und Fürsprecher sind beruflich Pflegende die Voraussetzung für eine sichere, erreichbare und bezahlbare gesundheitliche Versorgung. Mit dem diesjährigen Report zum Internationalen Tag der Pflegenden nutzen wir die authentischen Berichte von Pflegenden, um der Welt Einblick in diesen wundervollen, innovativen und lebenswichtigen Beruf zu verschaffen.

Als ich 2017 zur ICN-Präsidentin gewählt wurde, habe ich „Together“ als Parole für meine Präsidentschaft gewählt. Es hätte in diesen Zeiten großer Spaltungen keine passendere Parole als diese geben können. ‚Miteinander‘ bezeichnet das gemeinsame Potenzial und Bestreben der weltweiten Pflegeprofession, Gesundheit und Wohlergehen von Individuen, Gemeinschaften und Nationen zu verbessern, ungeachtet ihrer Loyalitäten.

Das Ausrufen von 2020 als das Internationale Jahr der Pflegenden und Hebammen durch die Welt-Gesundheitsversammlung ist eine spannende Chance, Pflege in der ganzen Welt zu fördern. Schließlich rückt Pflege weltweit in den Fokus und wir wünschen uns, dass die Angehörigen der Gesundheitsberufe, Politiker, Behörden, Gesundheitssysteme und die Öffentlichkeit durch Pflege inspiriert und über sie informiert werden. 2020 bietet die Gelegenheit für einen einzigartigen Einblick in die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen auf dem Planeten, aber das ist nur der Anfang. Das Jahr 2020 ist ein Katalysator, um eine neue Sichtweise auf die Pflege in Gang zu setzen, damit - in Zukunft – professionell Pflegende für ihren so wichtigen Beitrag, den sie zum Wohlergehen aller Völker in der Welt leisten, wahrgenommen werden."

2020 ist ein wichtiges Jahr für die Pflege. Es bietet die Chance, politischen Entscheidern, Gesundheitsexperten und der Öffentlichkeit klar zu demonstrieren:

  • welchen enormen Beitrag zu Gesundheit und Wohlergehen Pflegefachpersonen leisten
  • welche Aufgaben und Verantwortung diese wichtige Profession trägt
  • und dass die noch immer geltenden Mythen und Stereotypen zerschlagen werden müssen, die der Profession schon viel zu lange zusetzen.

Dies ist unser Moment. Lassen Sie uns diese Zeit verlängern, nicht nur um der Pflege willen, sondern zum Wohl der Gesundheit für unsere ganze Welt!

 
 

Wir haben an dieser Stelle zwei Texte aus dem ICN-Handbuch ausgewählt, die thematisch im Jahr der Pflegenden und nicht zuletzt durch die aktuellen Entwicklungen eine besondere Bedeutung haben.

Zum einen ein Beitrag zur Personalausstattung in der Pflege von Dr. Linda H. Aiken und Dr. Matthew McHugh von der Universität Pennsylvania, USA. Zum anderen ein Beitrag über die Frau, die in diesem Jahr ganz besonders im Fokus steht: Florence Nightingale. Der Geburtstag der Pionierin der Krankenpflege jährt sich am 12. Mai 2020 zum 200. Mal. Prof. Anne Marie Rafferty und Christophe Debout würdigen die Leistungen Nightingales und überlegen, wie sie sich wohl im Jahr 2020 für die Pflege eingesetzt hätte. So würde sie sich z.B. aus ihrer Empörung heraus an die Arbeit machen, Zeit für die Behebung des Mangels an Pflegepersonal fordern und ihn auf der internationalen politischen Agenda nach oben eskalieren lassen, indem sie ihn zum internationalen Notstand erklärt.

Diese und weitere Texte inklusive der kompletten Botschaft von Annette Kennedy finden Sie im ICN-Handbuch zum diesjährigen Internationalen Tag der Pflegenden, das wir mit freundlicher Genehmigung des ICN in Auszügen ins Deutsche übersetzt haben. In weiteren Beiträgen geht es um:

  • Bedeutung der Pflege 
  • Gründungen für die Profession Pflege 
  • Ganzheitliche und personenzentrierte Versorgung
  • Aufbau von Vertrauen in Pflege
  • Anders über Pflege sprechen


 DBfK-Übersetzung des ICN-Handbuchs in Auszügen

 64-seitiges Handbuch original in englischer Sprache

Cover ICN Handbuch
 

Sichere Personalausstattung: eine immerwährende Herausforderung

Pflege Personal

Trotz außerordentlicher Fortschritte bei der Technologieentwicklung in der Gesundheitsversorgung bleibt es dabei: Die wichtigste Ressource für Gesundheit weltweit ist das Humankapital. Humankapital in der Pflege bedeutet, eine angemessen große Zahl an Pflegefachpersonen mit dem richtigen Mix an Qualifikation, Fertigkeiten und Erfahrung vorzuhalten, um den ständig wachsenden Anforderungen der komplexen Patientenversorgung in allen Settings zu entsprechen. 2018 hat ICN das in einem Positionspapier formal bekräftigt und evidenzbasierte Pflegepersonalausstattungen gefordert. Eines der fundamentalen Elemente sicherer Personalausstattung ist ganz simpel, eine ausreichende Zahl von Pflegefachpersonen in Relation zu den Patientenbedarfen zu haben.

Die Evidenzgrundlage für sichere Personalausstattung entwickeln

Die Evidenz erstellt ein klares Bild davon, dass sichere Niveaus für Pflegepersonalausstattung erforderlich sind, um gute und sichere Patientenversorgung zu gewährleisten. Der Zusammenhang zwischen Pflegepersonalausstattung und Outcomes wurde für alle denkbaren wesentlichen Outcomes bei Versorgungsqualität und Sicherheit bewiesen, einschließlich Mortalität, Versterben an Komplikationen, nosokomialen Infektionen, Wiedereinweisungen und Krankenhausverweildauer. Der Einfluss auf die Ergebnisse konnte weltweit gefunden werden, unabhängig von der Struktur, Steuerung und Finanzierung des Gesundheitssystems. Beispielsweise ergab eine wegweisende Studie aus den USA, dass die Wahrscheinlich für Patienten zu versterben um 7% anstieg für jeden zusätzlichen Patienten, den eine Pflegefachperson zu versorgen hatte. Eine Untersuchung in neun europäischen Ländern und eine separate Studie in Südkorea ergaben denselben Effekt. Die Vorteile einer guten Personalausstattung sind auch nicht beschränkt auf den Krankenhausbereich; sie wurden in unterschiedlichen Bereichen der Krankenhäuser identifiziert und genauso in anderen Settings wie beispielsweise Pflegeheimen.

Qualifizierung als Element der Personalausstattung

Die Bedeutung von Investitionen in Personal ist nicht begrenzt auf die Anzahl von Pflegefachpersonen; die Zusammenstellung pflegerischer Teams ist auch wichtig. Ein 10%iger Anstieg des Anteils von Pflegefachpersonen am Krankenbett bedeutet 7% weniger Mortalität der Patienten. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass eine akademische Ausbildung professionell Pflegender mit besseren Patienten-Outcomes verknüpft war. Eine Kombination beider Faktoren – allgemein bessere Personalausstattung und ein höherer Anteil akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen - mündet in besseren Ergebnissen als wenn nur einer von beiden Faktoren verbessert wird. Das Europäische Parlament hat kürzlich seine Strategie bzgl. Pflege-Qualifizierung im Kontext der Mobilität innerhalb der EU modernisiert und zum ersten Mal eine Universitäts-Ausbildung für professionell Pflegende anerkannt. Wenn auch keine Universitäts-Qualifikation für Pflegefachpersonen in der EU gefordert wird, so setzt die neue Regelung dennoch Anreize für die Mitgliedsländer, um in jedem Land eine universitäre Qualifikation in der Pflege anzubieten. Und das Netto-Ergebnis war die Entwicklung von Bachelor-Studiengängen für Pflege in Ländern wie Deutschland, in denen Pflegeausbildung traditionell ein beruflicher Werdegang ist.

Vorwärts mit der Personalpolitik

Das ICN-Positionspapier aus 2018 zur Pflegepersonalausstattung ist ein Aufruf zum Handeln und die substantielle Evidenzgrundlage für bessere Niveaus in der Personalausstattung umzusetzen. Obwohl Pflegepersonalbemessungsstrategien implementiert wurden und Vorteile für Patienten gezeigt haben, fehlt es nach wie vor an aktiven Initiativen zur Implementierung besserer Levels der Personalausstattung. Eine Hürde könnte die kleine Palette von Strategien sein, die reif für eine solche Diskussion sind; beispielsweise sind die meisten Personal-Relationsstrategien so strukturiert, dass sie für alle Krankenhäuser passen sollen. Man könnte aber auch alternative strategische Designs ausprobieren, beispielsweise Krankenhäuser mit bereits angemessener Ausstattung und Outcomes von den Auflagen befreien und Vorgaben für Pflegepersonalausstattung den Krankenhäusern auferlegen, die die schlechtesten Personalschlüssel haben. Es zeigt sich, dass gerade diese Kliniken eine Reform brauchen und hier die besten Ergebnisse durch Personalvorgaben erzielt werden können.

Eine Vorgabe zur Personalausstattung kann auch mit Personalentwicklungsprogrammen verknüpft werden und mit gezielten Anreizen zur Arbeit in unterbesetzten Einrichtungen, um sicherzustellen, dass es ein ausreichendes Arbeitskräfteangebot gibt, um die politischen Ziele zu erreichen. Im Positionspapier fordert ICN nationale Pflegeberufsverbände dazu auf, mit den Regierungen zusammenzuarbeiten, um die Einführung von sicherer Pflegepersonalausstattung zu fördern und diese Maßnahmen zu evaluieren. Die Länder sollten darüber nachdenken, einen Ansatz ähnlich dem in Queensland, Australien, zu wählen. Er beinhaltet die empirische Evaluation von Maßnahmen, damit ein klares Verständnis entwickelt wird in Bezug auf die Vorteile und die Kosten verschiedener Designs für die weltweite Gemeinschaft.

Zusammenfassung

Die Evidenz ist klar – genügend Pflegepersonal vorzuhalten, vorzugsweise mindestens mit Bachelor-Qualifikation, und die Mehrzahl der Stellen in Versorgungsteams der Krankenhäuser mit professionell Pflegenden zu besetzen spielt für das Gesundheitsergebnis der Patienten eine große Rolle. Damit es vorangeht, wird die Herausforderung sein, die erforderlichen Investitionen in Humankapital für Gesundheit vorzunehmen. Und politische Maßnahmen zu implementieren und zu evaluieren um sicherzustellen, dass der durch die professionell Pflegenden zu erzielende Nutzen jeden erreicht.

Dr. Linda H. Aiken und Dr. Matthew McHugh, Universität of Pennsylvania, USA

Ist Florence Nightingale heute noch von Bedeutung?

Florence Nightingale

Florence Nightingale war eine komplexe Persönlichkeit. Zu einem Leben voller Privilegien geboren profitierte sie von den liberalen und freien Werten im Denken ihrer Eltern und einer Familientradition des Sich-Einsetzens für humanitäre Anliegen. Sie wurde in ihrer Erziehung vor allem durch ihren Vater geprägt, der ihre intellektuelle und moralische Entwicklung beeinflusste. Ihre umfassende mathematische Begabung ermöglichte ihr einen Zugang zu Datenmaterial und wissenschaftlichen Erkenntnissen von Reformern aus einer Reihe von europäischen Quellen. Zugute kam ihr auch die Unterstützung ihrer Familie in Bezug auf die Bildung von Frauen. Dadurch hatte sie die Gelegenheit, Kontakte zu pflegen mit der intellektuellen und politischen Elite und diese als Zielgruppe ihrer Reformideen zu benutzen.

Führende Denker gingen im Nightingaleschen Haushalt ein und aus und bei solchen Gelegenheiten wurde die junge Florence einigen der wichtigsten Köpfe der viktorianischen Ära vorgestellt. Zum Teil aufgrund solcher Kontakte wurde es möglich, dass Nightingale das Krankenhaus in Kaiserswerth in Deutschland besuchen konnte, was ihre Entscheidung anspornte, in die Pflege einzutreten. Eine ungewöhnliche Entscheidung für eine Frau ihrer Geburt und ihres Standes.

Die gegenseitige Beeinflussung ihres theologischen und ihres wissenschaftlichen Denkens führten sie zur Betrachtung von Statistiken als Schlüssel, um die ‚Gesetze der Natur‘ zu verstehen. Dies war besonders bedeutsam im Kontext sozialer Umwälzungen, Urbanisierung und Industrialisierung des viktorianischen Britannien, in dem Zufälligkeiten scheinbar das Befinden von Menschen regierten. Statistiken wurden zum Vehikel mit dem Ziel, Interventionen, Gefahrenabwehr und den Kampf gegen Armut und Entbehrungen umzusetzen. Ihre Suche danach, etwas Praktisches zu tun, wurde nicht nur angetrieben durch ihre Empathie für Menschlichkeit und eine moralische Verpflichtung zum Handeln, sondern auch durch ihre Frustration über die Rolle von Frauen. Nightingale wetterte dagegen, dass das weibliche Geschlecht eine Barriere sei, am öffentlichen Leben teilzuhaben. Ihr Verständnis von Pflege beruhte darauf, dass sie mit der Autorität einer weiblichen Leiterin in einer Einrichtung arbeitete und Frauen die Möglichkeit bot, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und eigene unabhängige Karrieren zu entwickeln.

200 Jahre später – spricht Florence Nightingale heute zu uns?

Nightingales Auffassung von Pflege überschnitt sich mit einer breiteren Palette an Interessen zu Volksgesundheit, Fortschritten in der Medizin, Hygiene, Epidemiologie, Statistik und Gesundheit im Militär. In diesem Sinne war ihre Vision durch und durch modern: intersektoral, interdisziplinär und global. Ihr Verständnis für das physische und psychische Umfeld im Krankenhaus und zuhause zeigt nicht nur ein tief verwurzeltes Verständnis von Hygiene, sondern auch von Gesundheit und Behandlung. Elemente der Versorgung, die sowohl zur Geborgenheit als auch zur Nahrung für den menschlichen Geist beitrugen.

Nightingales statistische und analytische Fähigkeiten legten den Grundstein für ihre internationalen und vergleichenden Statistiken und waren so Vorläufer der Entwicklung von International Classification of Disease (ICD) Codes heute. Ihre Forschung über Ergebnisse von Krankenhausbehandlung findet ihr Echo in der Arbeit zu Personalausstattung durch Aiken et al. Sie war darüber hinaus eine brillante Vermittlerin – visuell durch Daten und verbal durch die Kraft und Wahl ihrer Worte in Prosa. Sie war versiert darin, Daten in grafischer Form zu präsentieren, um ihre Botschaft zu dramatisieren und ihr Publikum zum Handeln zu bewegen. Sie hatte die Kraft von Zahlen und Daten verstanden, mit denen man Denken verändert und Politiker dazu bringt, Reformen in Angriff zu nehmen.

Ihr klarer, überzeugender Stil und ihre proaktive Herangehensweise an politische Entscheidungsfindung machten sie zu einer kompetenten politischen Aktivistin, die über ihre Netzwerke den politischen Entscheidungsträgern die Evidenz in die Hand gibt; mit Kommunikation in einem leicht verdaulichen Format und anschließend Lobbying für ihr Anliegen mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen. Die Zunahme randomisierter Studien und evidenzbasierter Praxis ist heute allgemein gültig in der Pflege und Gesundheitsversorgung. Tatsächlich, Nightingales eigentliche Definition von Pflege – sowohl von Gesundheits- wie Krankenpflege – hallen in unserem heutigen Ansatz nach: „Was ist Pflege? Beide Formen von Pflege sollen dazu dienen, uns in die bestmögliche Verfassung zu bringen, damit die Natur unsere Gesundheit erhalten oder wiederherstellen kann – um Krankheit oder Verletzungen zu verhindern oder zu heilen.“

Ihre Art der Unterweisung über Hygiene bleibt beispielhaft, denn wir kämpfen heute mit Sepsis und Zunahme der Mortalität wegen nosokomialer Infektionen: MRSA und Clostridium difficile. Hinzu kommt, dass Antimikrobielle Resistenz (AMR) bis 2050 zu einer der führenden Todesursachen werden könnte, gegen die Händewaschen und Hygiene zu den wirksamsten Verteidigungsmaßnahmen gegen eine Übertragung gehören. AMR zwingt uns zurück zu Maßnahmen aus der prä-Antibiotika-Ära.

Krankenhaus-Skandale sind nicht eine Sache der Vergangenheit und jüngste Erfahrungen in den USA, Großbritannien und darüber hinaus zeigen, dass die Ursache häufig eine mangelhafte Ausstattung mit Pflegefachpersonen ist – bei gleichzeitig hohen Erwartungen an eine gute Qualität der Pflege. Nightingales Engagement für Pflege als säkularen Beruf, ihr Weg, Frauen eine Ausbildung zu ermöglichen und so ein unabhängiges Leben führen zu können, haben die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung direkt und indirekt positiv verändert. Es ist erwiesen, dass Investitionen in die Qualifizierung von Pflegefachpersonen eine deutliche Gesundheitsrendite in der Gesellschaft erbringt – insbesondere in Form von Gesundheitskompetenz.

Nightingale wäre zweifelsohne schockiert über den Grad an weltweiter gesundheitlicher Ungleichheit heutzutage; den Fachkräftemangel in der Pflege, die Bedrohung durch AMR, den Wiederanstieg von Infektionserkrankungen wie beispielsweise Tuberkulose und das Aufkommen neuer Bedrohungen wie HIV, Ebola, Cholera für unsere gesundheitliche Sicherheit.

Was Florence Nigthingale 2020 tun würde

Sie würde sich aus ihrer Empörung heraus an die Arbeit machen, Zeit für die Behebung des Mangels an Pflegepersonal fordern und ihn auf der internationalen politischen Agenda nach oben eskalieren lassen, indem sie ihn zum internationalen Notstand erklärt. Sie würde um Unterstützung für einen globalen Pflege-Gipfel im Rahmen der Weltgesundheitsversammlung 2020 werben; alle ihre Netzwerke und politischen Kräfte aufbieten, um Regierungen und NGOs dazu zu bringen, dass Regierungen zu einem Vertrag verpflichtet werden: Sie müssen durch nationale Gesetzgebung dafür sorgen, dass in jedem Land genügend Pflegefachpersonen vorgehalten werden, damit es schnellere Fortschritte gibt in Bezug auf die Nachhaltigen Entwicklungsziele und eine universelle Gesundheitsversorgung in unterversorgten Kreisen der Bevölkerung.

Sie würde einen Folgegipfel mit den Finanzministern auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einberufen, um einen neuen globalen Nightingale-Fonds zu schaffen, der die bisher größte Investition in Pflege und Hebammenwesen in der Geschichte ermöglicht.

Sie würde alle Pflegefachpersonen auffordern, die Führung in den Bereichen Hygiene und Antibiotika-Einsatz zu übernehmen. „Notes on Nursing“ würde wiederaufgelegt als Online-Plattform und erste Anlaufstelle, die Patient/innen und ihre Angehörigen in die Lage versetzt, im 21. Jahrhundert gesund zu bleiben und auf sich selbst zu achten – mit einem besonderen Fokus auf diejenigen mit chronischen und mit psychischen Erkrankungen.

Sie würde eine neue Art von Digital-Designern für Pflege trainieren, damit sie Lösungen für Pflege und Patientensicherheitssysteme entwickeln und sich für Innovationen wie z.B. Blockchain engagieren.

Sie würde uns daran erinnern, dass Globalisierung eine Chance ist, sich miteinander zu verknüpfen mit unseren Werten und untereinander und ein mutiges Manifest für den Wandel aufzustellen. Das würde eine starke Verschiebung von ‚alt‘ zu ‚neuer Kraft‘ erfordern und neue Wege der Zusammenarbeit. Pflegeberufsverbände müssten sich dem anpassen und zusammenarbeiten, um eine Super-Kollaborative zu bilden, die ihre kollektive Organisationskraft nutzt, um sich in einem nie dagewesenen Ausmaß zu mobilisieren, wobei sie eng mit der Öffentlichkeit, den Patienten und den Angehörigen zusammenarbeiten.

Schließlich würde sie auf einen generationenübergreifenden Ansatz drängen, bei dem junge und ältere Führungskräfte gemeinsam in Organisationsmethoden und politischen Einflussmöglichkeiten geschult werden. Zusammen würden sie als die neue Generation Nightingales agieren, die die Führung übernehmen und die Pflege als eine weltweite soziale Bewegung für soziales Wohlergehen erschaffen.

Prof. Anne Marie Rafferty & Christophe Debout

 
 

Forderungen der Jungen Pflege zum Tag der Pflegenden #zukunftpflegen

Pflege verdient nicht nur Applaus

Auch die Lenkungsgruppe Junge Pflege im DBfK appelliert auf digitalem Weg an politische Entscheidungsträger und setzt darauf, dass die aktuelle Situation in der Pandemie den Forderungen noch einmal Nachdruck verleiht.

Stellvertretend für alle jungen Pflegenden, Auszubildenden und Studierenden in der Pflege macht sie deutlich, dass Applaus allein für die beruflich Pflegenden nicht ausreicht – genauso wenig wie wertschätzende Worte von Politikern. Pflege braucht die Möglichkeit der Selbstverwaltung,der Professionalisierung, der Akademisierung und der damit verbundenen Qualitätssteigerung.


Eine ihrer Forderungen ist: Eine bedarfsgerechte Personalbemessung!

Im europäischen Vergleich steht Deutschland beim Verhältnis Pflegefachperson zu Versorgten Personen schlecht da. In kaum einem anderen Land betreut eine Person die gleiche Anzahl an Pflegeempfängern. Eine wissenschaftlich fundierte Personalbemessung sorgt für eine Sicherstellung der pflegerischen Qualität und schützt Pflegende wie auch Pflegebedürftige.

Unter einer unzureichenden personellen Situation leidet die Versorgungsqualität, die Mortalitätsrate steigt, wie in Studien bewiesen, ebenfalls. In Deutschland benötigen wir ein wissenschaftlich fundiertes Personalbemessungssystem, welches den tatsächlichen pflegerischen Bedarf bemisst.


Alle Forderungen und Sharepics zum Download gibt es auf www.junge-pflege.de

 
 

Weitere Informationen zu den Aktivitäten rund um den internationalen Tag der Pflegenden finden Sie in unserem Pressebereich.

Internationale Rolle des DBfK

Als nationaler Vertreter der Pflege in Deutschland ist der DBfK international hervorragend vernetzt. Wir vertreten die Interessen der beruflich Pflegenden im International Council of Nurses (ICN), dem Weltverband der Pflegeberufe, sowie im europäischen Pflegeberufsverband EFN und europäischen Spezialistenorganisationen (siehe Übersicht zu unserem  Netzwerk).

Warum ist das wichtig? Innerhalb Europas verlieren nationale Grenzen zunehmend an Bedeutung, europäische Freizügigkeit und daraus resultierende Arbeitsmigration erfordern eine Harmonisierung von Rahmenbedingungen und Gesetzgebung. Die Globalisierung hinterlässt ihre Spuren - auch im Gesundheitswesen und für die Pflegeberufe. Sie schafft neue Herausforderungen und bietet neue Chancen. Auch in Deutschland gewinnt Brüssel zunehmend an Bedeutung: Viele Gesetze werden in auf EU-Ebene gemacht - und müssen anschließend in nationales Recht umgesetzt werden.

Ziel des DBfK ist deshalb, dass die Pflege eine starke Stimme in Brüssel hat und unmittelbar Einfluss nehmen kann auf Entscheidungen und Initiativen des EU-Parlaments und der EU-Kommission.

Der DBfK ist aktives Mitglied der European Federation of Nurses Associations (EFN). Auf diese Weise gestalten wir die Schnittstelle zwischen nationalen und internationalen politischen Interessen innerhalb der EU.

Zu den wichtigen internationalen Themen gehören beispielsweise

  • die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen,
  • der weltweite Fachpersonalmangel in der Pflege,
  • Vergleichbarkeit von Qualifikationsniveaus,
  • der Umgang mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen in den Gesundheitssystemen, 
  • Teilen von Wissen und Evidenz,
  • gemeinsame Projekte oder
  • gemeinsame Veranstaltungen.

Teil unserer internationalen Aktivitäten ist u.a. die Herausgabe internationaler Positionspapiere, Handbücher und Stellungnahmen in deutscher Sprache, sofern es sich um Themen handelt, die für die Pflege in Deutschland relevant sind.

Auswahl der aktuellen Publikationen

 

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