DBfK aktuell - Februar 2026

Krisenresilienz braucht kompetente Pflege

Sarah Fliesgen
Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Krisen im Gesundheitswesen sind längst kein Ausnahmezustand mehr: Pandemien, Extremwetterereignisse und Angriffe auf die Infrastruktur stellen die Versorgung zunehmend vor große Herausforderungen. In all diesen Situationen zeigt sich sehr deutlich: Die Pflege ist nicht nur Teil des Systems  – sie ist dessen tragende Säule.

Zuletzt erst hat der großflächige Stromausfall im Südwesten Berlins deutlich gemacht, wie sensibel und verwundbar unsere kritische Infrastruktur ist – insbesondere im Gesundheits- und Pflegesystem. Das Ereignis zeigte, wie unzureichend Pflege- und Gesundheitseinrichtungen auf solche Extremereignisse vorbereitet sind. Dass es dabei nicht zu schwerwiegenden Zwischenfällen kam, ist auch dem außergewöhnlichen Engagement der Pflegefachpersonen und anderer Gesundheitsberufe zu verdanken. Sie sichern Versorgung, geben Halt, treffen komplexe Entscheidungen unter Druck und kompensieren strukturelle Defizite oft mit persönlichem Engagement. Doch ein resilientes Pflege- und Gesundheitswesen kann und darf nicht auf der individuellen Belastbarkeit Einzelner beruhen. Resilienz muss systematisch gedacht, politisch gewollt und pflegerisch gestaltet werden.

Krisenvorbereitung im Gesundheitswesen bedeutet aus Sicht der Pflege mehr als Notfallpläne und Materialreserven. Sie umfasst verlässliche Personalbemessung, stabile Arbeitsbedingungen, kontinuierliche Fort- und Weiterbildung sowie echte Mitbestimmung in Krisenstäben und Entscheidungsprozessen. Pflege verfügt über umfassende Expertise in Risikoerkennung, Prioritätensetzung und Versorgungssteuerung – dieses Wissen muss konsequent genutzt werden. Insbesondere muss aus den vergangenen Krisenfällen gelernt werden.

Die Erfahrungen der professionellen Pflege – etwa aus der COVID-19-Pandemie, der Flutkatastrophe im Ahrtal, Hitzeperioden oder dem jüngsten Stromausfall  – zeigen deutlich, wo Handlungsbedarf besteht. Diese Erkenntnisse müssen systematisch ausgewertet und in verbindliche Strukturen überführt werden.

Aus Sicht des DBfK ist klar: Pflegefachpersonen müssen systematisch und strukturiert auf Krisenereignisse vorbereitet werden. Dazu gehören das Vorhandensein und die sichere Kenntnis von Notfall- und Blackout-Plänen, regelmäßige Schulungen und Übungen, ausreichende Vorräte an Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und Nahrung sowie die Fähigkeit zum ressourcenschonenden Arbeiten. Ebenso essenziell sind stromunabhängige Kommunikationswege, klare Zuständigkeiten und Befehlsketten sowie eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit mit weiteren medizinischen Berufen und dem Katastrophenschutz.

Hierfür benötigen Pflege- und Gesundheitseinrichtungen dringend finanzielle und strukturelle Mittel, um sich angemessen auf solche Szenarien vorbereiten zu können. Gleichzeitig müssen die Kompetenzen von Pflegefachpersonen in der Krisen- und Katastrophenvorsorge endlich konsequent mitgedacht werden. Die Erweiterung der Pflegekompetenzen, die im Anfang 2026 in Kraft getretenen Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) beschlossen wurden, ist hierbei ein wichtiger Schritt, damit Pflege im Ernstfall wirksam und selbstbestimmt handeln kann.

Ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen braucht eine starke, selbstbewusste Pflege. Dazu gehören professionelle Autonomie, akademische Qualifizierung und Rollenprofile  – wie Disaster Nurses  – und eine klare Stimme in gesundheitspolitischen Debatten. Pflege ist systemrelevant – im Versorgungsalltag ebenso wie in der strategischen Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen. Ohne die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen ist eine resiliente Krisenvorsorge nicht möglich. Und Krisenfestigkeit bedeutet auch, die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden zu schützen und eine Kultur zu etablieren, die Überlastung nicht normalisiert, sondern aktiv verhindert.


Forderungen zum Katastrophen- und Krisenmanagement fasst auch ein neues Positionspapier des DBfK Südost zusammen

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