DBfK aktuell - Juli 2026

Wir sind keine Verhandlungsmasse

sandra-mehmecke2
sandra-mehmecke2

Sandra Mehmecke
Geschäftsführerin DBfK Nordwest

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

manchmal verdichtet sich Berufspolitik zu einem Moment, den man nicht vergisst. Für mich war ein solcher Moment der 10. Juni in Hannover: Anlässlich der Gesundheitsminister:innenkonferenz standen Tausende Menschen zusammen – Pflegefachpersonen, Auszubildende, Angehörige und Verbündete. Laut, klar, friedlich. Mit einer Botschaft, die einfacher nicht sein könnte: Pflege ist kein Sparschwein!

Diese Botschaft ist aktueller denn je. Was unter Beitragssatzstabilisierung, Pflegereform, Entbürokratisierung und mehr Flexibilität diskutiert wird, folgt einer gefährlichen Logik: Kosten begrenzen, Vergütungen deckeln, Leistungen einschränken – und damit Druck auf Versorgung und Pflegefachpersonen erhöhen. Das trifft die Krankenhauspflege, Pflege in der Psychiatrie, häusliche Krankenpflege und außerklinische Intensivpflege, ambulante und stationäre Langzeitpflege, Pflegeberatung – und damit Patient:innen, Pflegebedürftige, An- und Zugehörige.

Aktuelle Vorschläge unter dem Deckmantel „mehr Flexibilität bei der Pflege im Krankenhaus“ verschärfen diese Sparlogik noch einmal. Das Pflegebudget wieder ins DRG-System zurückzuführen, die verpflichtende Anwendung der PPR 2.0 rückgängig zu machen und Pflegepersonaluntergrenzen (PpUG) als Qualitätskriterium zu streichen, baut keine Bürokratie ab, sondern zentrale Schutzmechanismen für sichere Versorgung im Krankenhaus. Pflegebudget und PPR 2.0 machen sichtbar, dass professionelle Pflege Zeit, Qualifikation, verlässliche Teams und eine Finanzierung braucht, die sich am tatsächlichen Bedarf der Patient:innen orientiert.

Doch auch in allen anderen Settings entstehen Risiken: Vergütungsdeckelungen, Einschnitte bei Tariftreue und Entlohnung, höhere Hürden für Unterstützung, unzureichend abgesicherte Pflegebegleitung und der falsche Anreiz, Digitalisierung aus unbesetzten Stellen zu finanzieren. So entsteht kein Fortschritt. So entsteht mehr Druck in ohnehin belasteten Strukturen.

Genau deshalb ist unsere Kampagne „Pflege ist kein Sparschwein!“ so wichtig. Sie bringt auf den Punkt, was in politischen Debatten oft verschwindet: Professionelle Pflege ist kein Kostenblock, an dem man nach Kassenlage kürzen kann. Pflege ist Beziehung, Verantwortung, klinische Entscheidung, Prävention, Beratung, Beobachtung, Anleitung und Patient:innensicherheit. Wer hier spart, spart nicht abstrakt im System. Er spart an Zeit, Qualität und Versorgungssicherheit.

Mich hat in Hannover besonders berührt, wie viel Energie aus gemeinsamer Haltung entsteht – und wie engagierte Berufspolitik wirkt. Mit der Aktion „Dein Ohr“ knüpfen wir daran an: zuhören, Erfahrungen sichtbar machen und politische Kraft entwickeln. Jede Geschichte aus der Praxis macht den Unterschied zwischen Sparlogik und Versorgungsrealität begreifbar.

Die kommenden Wochen werden entscheidend. Wir sind nicht ohnmächtig. Wir können uns einmischen, widersprechen, Alternativen benennen und gemeinsam deutlich machen: Pflegefachpersonen sichern Versorgung – in allen Settings.

Pflege ist kein Sparschwein! Pflegende sichern Versorgung. Und gemeinsam werden wir laut.

Mehr zum Thema:
Interview mit DBfK-Referent Ingo Böing in der Juli-Ausgabe von  „Die Schwester | Der Pfleger“ ab S. 47:  „Der Abbau Zehntausender Pflegestellen droht“.
(Kostenfrei abrufbar mit dem DBfK-Mitglieder-Login.)                           

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Schriftarten, Karten, Videos oder Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Weitere Informationen zu den von uns verwendeten Diensten und zum Widerruf finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Ihre Einwilligung dazu ist freiwillig, für die Nutzung der Webseite nicht notwendig und kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.