DBfK aktuell - Oktober 2026

DBfK kommunal: Pflege wird vor Ort erlebt

Pflegepolitik findet meist in Berlin oder den Landeshauptstädten statt. Hier bringen wir als DBfK Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben und Positionspapiere ein, machen uns in Anhörungen oder politischen Gesprächen für die Profession Pflege stark und erklären öffentlich, welche Folgen Gesetze für die Versorgung haben können.

Erlebt werden diese Folgen aber woanders: im Alltag zu Hause, beim ambulanten Pflegedienst, im Seniorenheim, im kleinen Krankenhaus oder in der Hausarztpraxis.

Um diese Erfahrungen ging es am 10. September bei einer Gesprächsrunde im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Landtagsabgeordnete Marie-Sophie Künkel (CDU) hatte unter dem Motto „Pflege als zentrales Element der Gesundheitsversorgung“ eingeladen. In der Runde kamen ganz unterschiedliche Perspektiven aus der Region zusammen: beispielsweise aus den Pflegeberufen, der Gemeindepflege, von pflegenden Angehörigen, Seniorenräten, Verbänden, einem Hospizdienst oder einem Bürgerverein.

Ursprünglich war geplant, dass die hessische Pflege- und Gesundheitsministerin Diana Stolz das Gespräch zusammen mit Künkel führen sollte. Sie musste aber aufgrund einer Autopanne auf dem Weg leider kurzfristig absagen. Für den DBfK Südwest war Anja Kathrin Hild, Referentin für Politik- und Medienkommunikation, dabei.

Es dauerte nicht lange, bis aus dem großen Thema „Pflege“ sehr konkrete Fragen wurden: Was passiert, wenn die Person, die zu Hause pflegt, plötzlich selbst ausfällt und kurzfristig niemand übernehmen kann? Was hilft ein Leistungsanspruch, wenn kein Pflegedienst Kapazität hat und kein Platz frei ist? Wie gelingt der Übergang nach einem Krankenhausaufenthalt, ohne dass Menschen zwischen Entlassbrief, Medikamentenänderung, Hausarztpraxis und Unterstützungsangeboten verloren gehen? Und welche Zukunft kann ein kleiner Krankenhausstandort haben, wenn das bisherige Modell nicht mehr trägt?

Aus DBfK-Sicht ging es auch darum, ein Bild davon zu zeichnen, wie Versorgung anders aussehen könnte: mit Community Health Nurses, die auf regionaler Ebene arbeiten und Gemeindepflege, Bürgervereine und andere Angebote vor Ort ergänzen. Mit Advanced Practice Nurses, die an sektorenübergreifenden Versorgungsstandorten mehr klinische Verantwortung übernehmen. Und mit kleinen Krankenhausstandorten, die nicht einfach nur als zusammengeschrumpftes Krankenhaus mit weniger Angeboten erlebt werden, sondern neue Aufgaben für ihre Region übernehmen und zu einem geschätzten Gesundheitszentrum werden können.

Solche Gespräche vor Ort, in der Kommune, sind wichtig.

Denn Menschen erleben den Staat nicht in politischen Debatten in Berlin oder Wiesbaden. Sie erleben ihn sehr konkret, wenn es darum geht, ob die Gesundheitsversorgung vor Ort funktioniert. Ob im Pflegenotfall Hilfe organisiert werden kann. Ob man im ländlichen Raum trotz Pflegebedarf zu Hause wohnen bleiben kann, weil es gute Strukturen gibt. Das ist eine Vertrauensfrage an den Staat, bei der es um ein zentrales Gut geht: die eigene Gesundheit und die der Menschen, die einem am nächsten stehen.

Gerade deshalb sollten wir als Pflegefachpersonen uns vor Ort einmischen. Kommunalpolitik, Gesprächsrunden mit Abgeordneten, Gesundheitskonferenzen oder Bürgerdialoge wirken vielleicht kleiner als ein Termin im Ministerium. Aber dort wird oft sehr unmittelbar darüber gesprochen, was in einer Region fehlt und was politisch angegangen werden müsste. Unsere pflegefachliche Expertise und unsere Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung sind dort nicht selbstverständlich vertreten.

Deshalb: Traut euch!

Ihr müsst dafür nicht jedes Gesetz auswendig kennen und auch nicht auf jede politische Frage sofort eine fertige Antwort haben. Ihr wisst, wie Versorgung tatsächlich läuft. Ihr seht, wo sie bricht. Und ihr könnt erklären, was sich ändern müsste, damit es besser funktioniert. Das ist schon sehr viel wert – für die Menschen vor Ort und die Politik, die diese Perspektive oft dankbar annimmt.

Die hessische Landtagsabgeordnete Marie-Sophie Künkel beim Bürgerdialog „Pflege als zentrales Element der Gesundheitsversorgung“ im Kreis Marburg-Biedenkopf. (Foto: Katja Schäfer-Schammler)
Die hessische Landtagsabgeordnete Marie-Sophie Künkel beim Bürgerdialog „Pflege als zentrales Element der Gesundheitsversorgung“ im Kreis Marburg-Biedenkopf. (Foto: Katja Schäfer-Schammler)

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