
Dass sich der Wissenschaftsrat des Themas Community Health Nursing annimmt, ist ein bedeutsames wissenschaftspolitisches Signal. Am 20. Oktober 2026 brachte seine Fachtagung an der HAW Hamburg Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Versorgung zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Community Health Nurses (CHN) zu einer stärker auf Prävention und Gesundheitsförderung ausgerichteten Versorgung beitragen können und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.
Die Veranstaltung verband wissenschaftliche und berufspolitische Perspektiven mit Erfahrungen aus der Praxis. Projekte aus verschiedenen Regionen zeigten, wie CHN bereits heute Versorgung gestalten. In drei World Cafés diskutierten die Teilnehmenden anschließend Qualifizierungswege, das wissenschaftliche Profil sowie Berufsperspektiven und interprofessionelle Zusammenarbeit. Die Ergebnisse wurden zum Abschluss in einem gemeinsamen „Call to Action“ zusammengeführt.
Für den DBfK ist das Engagement des Wissenschaftsrats eine wichtige Unterstützung seiner langjährigen Arbeit. Seit 2017 haben wir mit der Agnes-Karll-Gesellschaft und mit Förderung der Robert Bosch Stiftung beziehungsweise des Bosch Health Campus konzeptionelle Grundlagen,Studienangebote und Praxisprofile vorangebracht. Dass nun der Wissenschaftsrat die Potenziale von CHN für einen gesundheitsorientierten Kulturwandel aufgreift, verleiht dem Anliegen zusätzliches Gewicht: Die Weiterentwicklung pflegerischer Rollen ist eine gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft, Bildung und Versorgungspolitik.
Eigenverantwortung und Zusammenarbeit stärken
Ein zentrales Thema der Tagung war die Eigenverantwortung in der Berufsausübung – ausdrücklich auch bei Prävention und Gesundheitsförderung. Ebenso wichtig war den Teilnehmenden, die Schnittstellen zwischen Gesundheits- und Sozialprofessionen besser zu nutzen und verbindliche interprofessionelle Versorgungspfade zu entwickeln. Dafür braucht es Klarheit darüber, wer welche Aufgaben und Entscheidungen verantwortet und wie die Zusammenarbeit organisiert wird.
Hier knüpfen die im September veröffentlichten Arbeiten des DBfK und des Bosch Health Campus an. Ein gemeinsamer Arbeitskreis von CHN und Hausärzt:innen hat Vorschläge für eine neue Aufgabenverteilung in der Primärversorgung konkretisiert. Ergänzend liegt ein Rechtsgutachten zur eigenverantwortlichen Heilkundeausübung und den damit verbundenen Haftungsfragen vor. Die fachliche Diskussion lässt sich damit auf konkrete Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Umsetzungsschritte beziehen.
Auch die Verbindung von Praxis und Forschung nahm breiten Raum ein. Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, Forschung im Rollenprofil zu stärken und Daten aus dem Versorgungsalltag strukturiert zu erheben und wissenschaftlich zu nutzen. Weitere Anliegen waren die interdisziplinäre Vernetzung, Freiräume für interprofessionelles Lehren und Lernen sowie Fort- und Weiterbildungsmodule, die Spezialisierung und Durchlässigkeit ermöglichen.
Aus Qualifikation müssen berufliche Perspektiven werden
Für den DBfK bleibt entscheidend, dass aus diesen Ansätzen verlässliche Beschäftigungs- und Entwicklungsmöglichkeiten entstehen. Dazu gehören ein gesetzlicher Rahmen für APN und CHN, eigenständige Entscheidungsbefugnisse und dauerhaft finanzierte Stellen. Leistungen müssen in der Regelversorgung abgebildet und abrechenbar sein. Das gilt auch für Prävention, aufsuchende Arbeit und die Zusammenarbeit im Team.
„Die Tagung war ein starkes Signal für die Weiterentwicklung von Community Health Nursing. Besonders wertvoll ist, dass der Wissenschaftsrat Qualifizierung, Forschung und Versorgung gemeinsam betrachtet“, resümiert DBfK-Bundesgeschäftsführer Peter Tackenberg. „Jetzt müssen die Rahmenbedingungen folgen, damit CHN ihre Kompetenzen im Berufsalltag einsetzen können. Ein Masterabschluss braucht eine entsprechende berufliche Perspektive mit eigener Versorgungsverantwortung.“
Die Fachtagung hat dafür wichtige Akteur:innen zusammengebracht und konkrete Handlungsfelder sichtbar gemacht. Der DBfK wird die Ergebnisse in seine weitere fachliche und politische Arbeit aufnehmen.
Der Wissenschaftsrat hat sein Positionspapier „Für
Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und
Gesellschaft“ aus dem Februar 2026 mit weiteren Veröffentlichungen ergänzt.
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