Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai hat der DBfK die Ergebnisse der jährlichen Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ veröffentlicht. Im Fokus standen in diesem Jahr gute Führung, Beteiligung und das Pflegebudget.
Zum dritten Mal seit 2024 haben wir die Umfrage durchgeführt, mehr als 3.000
Personen haben im März und April 2026 teilgenommen. Die
Umfrage ist nicht repräsentativ im statistischen Sinne, kann aber als
Stimmungsbarometer der professionellen Pflege gewertet werden. Teilnehmen
konnten Mitglieder und Nicht-Mitglieder des DBfK.
Pflege bleibt sinnstiftend – aber die Bedingungen stimmen nicht
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Viele beruflich Pflegende stehen weiterhin klar zu ihrem Beruf. 83 Prozent der Befragten ohne Leitungsverantwortung empfinden ihre Tätigkeit als sinnstiftend. Gleichzeitig geben nur rund drei Prozent an, voll und ganz der Aussage zuzustimmen, dass die Kompetenz von Pflegefachpersonen gesellschaftlich anerkannt wird. 76 Prozent der Befragten sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.
Damit bestätigt sich ein Befund, der
sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet hat: Nicht der Beruf selbst ist das
Problem, sondern die Bedingungen, unter denen Pflege heute geleistet wird.

„Die Ergebnisse zeigen sehr klar:
Pflegefachpersonen wenden sich nicht von ihrem Beruf ab. Sie wenden sich gegen
Bedingungen, unter denen professionelle Pflege dauerhaft an ihre Grenzen
gebracht wird“, sagt DBfK-Präsidentin Vera Lux. „Wer Pflege stärken will, darf
nicht nur von Wertschätzung sprechen. Es braucht verbindliche
Personalausstattung, echte Beteiligung, starke Führung und politische
Entscheidungen, die Pflegekompetenz endlich strukturell absichern.“
Gute Führung
braucht gute Strukturen

Schwerpunkt der diesjährigen Befragung war das Thema Führung. Gerade in einer Zeit, in der Krankenhausreform, Pflegepersonalbemessung, Primärversorgung und die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung politisch neu verhandelt werden, kommt es darauf an, wie Entscheidungen in Einrichtungen vorbereitet, erklärt und umgesetzt werden.
Die Ergebnisse zeigen: Gute Führung in der Pflege ist nicht allein eine Frage einzelner Führungspersonen. Sie ist vor allem eine Frage von Zuständigkeiten, Unternehmenskultur und Beteiligungsstrukturen.
Zwar erleben viele Befragte Handlungsspielräume. Gleichzeitig werden fehlende Transparenz, unzureichende Konfliktlösung und eine schwach ausgeprägte Beteiligungskultur deutlich kritisiert. Nur 22 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Veränderungen in ihrer Organisation gemeinsam und partizipativ gestaltet werden.
Das ist ein Warnsignal. Denn Pflegefachpersonen sollen mehr Verantwortung übernehmen, komplexere Versorgungsprozesse steuern, Qualität sichern und neue Rollen entwickeln. Dafür brauchen sie aber auch Einfluss auf Entscheidungen, die ihren Arbeitsalltag, Personalplanung, Prozesse und Versorgungsqualität betreffen.
„Führung in der Pflege braucht mehr
als Appelle und einzelne Fortbildungen“, so Lux. „Führung braucht Zeit, klare
Zuständigkeiten, Entscheidungsspielräume und Organisationen, die
pflegefachliche Expertise ernst nehmen. Wer mehr Verantwortung von
Pflegefachpersonen erwartet, muss ihnen auch echte Gestaltungsmöglichkeiten
geben.“
Pflegebudget: Nicht schwächen, sondern weiterentwickeln
Ein weiterer Schwerpunkt der Befragung ist der vertiefte Blick auf das Pflegebudget. Befragt wurden dazu Teilnehmende mit Budgetverantwortung und Führungsfunktion in der Pflege. Die Ergebnisse zeigen: Das Pflegebudget wird überwiegend als sinnvoll und wirksam bewertet. Es schafft Spielräume für pflegerische Kernaufgaben, Professionalisierung, Rollenentwicklung und Innovation. Zugleich wird deutlich, dass sein Potenzial in der Praxis noch nicht ausgeschöpft wird.
Besonders auffällig: Während die operative Einbindung der Pflege in Personalplanung und Vorbereitung hoch ist, geben nur 15 Prozent der Befragten mit Führungsfunktion an, direkt an Verhandlungen zum Pflegebudget beteiligt zu sein. Pflege ist also häufig in der Umsetzung gefragt, aber zu selten an den strategischen Entscheidungen beteiligt.
Das ist politisch hoch relevant. Der DBfK warnt seit Langem davor, das Pflegebudget zu schwächen oder zu deckeln. In der aktuellen Debatte um die Finanzierung des Gesundheitswesens darf Pflege nicht erneut als Kostenblock behandelt werden. Das Pflegebudget ist ein Instrument, um Pflegepersonalkosten im Krankenhaus sachgerechter zu finanzieren und pflegerische Versorgung zu sichern.
„Das Pflegebudget ist nicht das Problem. Problematisch ist, dass sein Potenzial noch immer nicht konsequent genutzt wird“, sagt Lux. „Wer das Pflegebudget deckelt,

begrenzt nicht
abstrakte Kosten, sondern Entwicklungsmöglichkeiten der Pflege: bessere
Personalausstattung, Entlastung, Digitalisierung, neue Rollenprofile und die
Weiterentwicklung professioneller Pflege. Das wäre ein Rückschritt zur Unzeit.“
Pflege muss mitentscheiden
Die Befragung macht deutlich: Professionell Pflegende wollen Verantwortung übernehmen. Sie wollen ihre Kompetenz einbringen, Versorgung verbessern und Veränderungen mitgestalten. Gleichzeitig erleben viele, dass genau diese Mitgestaltung im Alltag zu oft ausgebremst wird.
Für den DBfK ist deshalb klar: Die anstehenden politischen Reformen müssen daran gemessen werden, ob sie Pflege tatsächlich stärken. Dazu gehören verbindliche Personalbemessung, pflegesensitive Qualitätskriterien, transparente Entscheidungsstrukturen, starke pflegerische Führung und gesetzlich abgesicherte erweiterte Kompetenzen – etwa für Advanced Practice Nurses.
Das gilt im Krankenhaus ebenso wie in der Langzeitpflege, der ambulanten Versorgung und der Primärversorgung. Pflege darf nicht länger nur Gegenstand politischer Entscheidungen sein. Sie muss Mitgestalterin von Versorgung werden. „Die Pflege ist bereit, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Vera Lux, „jetzt müssen Politik und Arbeitgeber die Strukturen schaffen, damit sie das auch kann.“
Vollständiger Bericht zur Befragung „Pflege, wiegeht es dir?“ 2026