
Wie gelangen erweiterte Pflegekompetenzen in die Versorgung? Diese Frage zog sich als roter Faden durch den Pflegetag Niedersachsen 2026 am 10. September an der Hochschule Hannover. Und die Antworten kamen vor allem aus der Praxis.
Ein Themenschwerpunkt waren Praxisprojekte im Nordwest-Gebiet, die bereits heute neue Wege gehen: Eine vollständig Pflege-geleitete Station, eine Community Health Nurse und zwei Forschungsprojekte zu erweiterten Versorgungsaufgaben für hochschulisch ausgebildete Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege. Aber auch ein Blick über die Landesgrenzen hinaus machte am Beispiel einer Pflege-geleiteten Notaufnahme in Italien deutlich, wie andere Länder durch erweiterte Kompetenzen Versorgungsproblemen begegnen.
Ebenfalls aufschlussreich war der Publikumsdialog. Dort berichteten Teilnehmende aus allen Pflegesettings von Situationen, in denen Pflegefachpersonen fachlich längst eigenverantwortlich entscheiden könnten, sich aber weiterhin formal absichern lassen oder auf ärztliche Anordnungen warten müssen. Etwa bei der Bedarfsmedikation oder bei der Wundversorgung. Gerade dieser Gegensatz machte deutlich, warum das Thema erweiterte Pflegekompetenzen nach oben auf die Agenda gehört.
Dass erweiterte Kompetenzen neben der Versorgungsqualität auch positiv auf das Berufsbild einzahlen, machte DBfK Nordwest-Vorstandsmitglied und Pflegepädagogin Janine Wehrli in ihrer Eröffnungsrede deutlich: „Junge Pflegende stellen häufig die Frage, was sie im Anschluss eigentlich machen können und ob es Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Befugniserweiterung ist also nicht nur ein berufspolitisches Thema, sondern steigert die Ausbildungs- und Berufsattraktivität.“
Der Pflegetag Niedersachsen hat gezeigt: Die Beispiele sind längst da. Jetzt kommt es darauf an, dass aus einzelnen Projekten Regelversorgung wird und zugleich auf Landesebene mit einem Kompetenzfeststellungsverfahren die Weichen für die Befugniserweiterung gestellt werden. In einer Pressemitteilung vom Freitag hat der DBfK Nordwest diese Forderung an das Land Niedersachsen bekräftigt.
Primärversorgung mit Community Health Nursing
Der DBfK fordert die dauerhafte und flächendeckende Verankerung von Community Health Nursing. Im Video berichtet Community Health Miriam Steens von ihrer Arbeit.