
Beim Lausitzer Pflegekongress in Cottbus trafen beeindruckende Referentinnen auf ein begeisterungsfähiges Publikum.
Individuelle Prävention beginnt selten laut. Sie erfordert zunächst eine genaue Wahrnehmung, wie sie besonders Pflegefachpersonen auszeichnet. Mit dieser treffenden Beobachtung eröffnete die Sozialdezernentin der Stadt Cottbus/Chóśebuz Eike Belle am 6. Mai den Lausitzer Pflegekongress. Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL) veranstaltete ihn 2026 erstmals gemeinsam mit dem DBfK Nordost an einem neuen Ort, der Messe Cottbus.
Auch Professorin Adelheid Kuhlmey, MUL-Wissenschaftsvorständin, betonte: „Pflege sieht, was andere nicht sehen.“ Es sei gerade die Verbindung aus menschlicher Nähe und professioneller Verantwortung, die Pflege zum Erfolgsfaktor gelingender Prävention mache. Die Gesundheitsversorgung von morgen brauche mehr Prävention und müsse von allen Beteiligten interprofessionell gestaltet werden, so MUL-Pflegevorständin Andrea Stewig-Nitschke.
Diesen Anspruch zu konkretisieren, unternahm der Programmteil für die Junge Pflege vom DBfK Nordost. Er sollte den Blick der Auszubildenden und Studierenden für ganz verschiedene Aspekte von Prävention öffnen und zugleich die Vielfalt der Entwicklungs- und Karriereperspektiven im Pflegeberuf aufzeigen.
Julia Ballman sorgte mit ihren Einblicken in die Rolle von Pflegenden bei Krisen und Katastrophen dafür, dass das junge Publikum direkt hellwach war. Sie promoviert an der Charité-Universitätsmedizin und betonte: „Every nurse is a disaster nurse.“ Das zeigte sich erst jüngst beim mehrtägigen Stromausfall im Berliner Südwesten. Aber auch anhand zahlreicher internationaler Beispiele erläuterte Ballmann, dass Resilienz nicht nur eine Frage der Bewältigung und Nachbereitung im Katastrophenfall ist, sondern auch eine Frage der Vorbereitung und Vorsorge, eben Prävention.
Im zweiten Block ging es um neue Berufsbilder in der Pflege, die einen besonderen Fokus auf Prävention legen. Sybille Rudnik berichtete von ihrer Arbeit als Schulgesundheitsfachkraft an der Spreeschule Cottbus. Obwohl ein großes Modellprojekt anders als in Hessen nicht verstetigt wurde, bleibt Brandenburg dank des Engagements von Kommunen und Trägern in diesem Bereich führend. Auch für Rebekka Kauthe war der Lausitzer Pflegekongress ein Heimspiel. Seit Ende 2025 ist sie Community Health Nurse im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe, wie wir berichteten. Aus der Schweiz zu Gast war Selina Mooswald, die dort als Advanced Practice Nurse in der Langzeitpflege arbeitet. Sie betonte die entscheidende Rolle von Pflegefachpersonen für die Lebensqualität der Bewohner:innen und forderte mehr Mut zur Verantwortung in der professionellen Pflege.
Gute Pflege braucht starke Pflegende. Abschließend widmeten sich daher drei Vorträge einer weiteren Seite von Prävention: Wie gelingt die Pflegeausbildung auch unter schwierigen Bedingungen und wie können Abbrüche verhindert werden? Josephine Postzich aus der Lenkungsgruppe Junge Pflege im DBfK berichtete eindrucksvoll von ihren Erfahrungen als Mentorin. Verena Andres (Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge) bewies erneut, warum die AG Junge Pflege Nordost sie im vergangenen Jahr auf dem Deutschen Pflegetag als herausragende Praxisanleiterin ausgezeichnet hatte. Last not least bewegte und überzeugte auch Melanie Stephan, Schulsozialarbeiterin im AWO-Bildungszentrum Lübbenau, das junge Publikum mit ihrem ganzheitlichen Ansatz bei Themen wie Einsamkeit, Sucht und Selbstverletzung.
Anders als bei vielen Kongressen ermüdeten die Zuhörenden im Laufe des Tages nicht. Ganz im Gegenteil wurden die Diskussionen mit jedem Programmteil engagierter. Dementsprechend lautete das Fazit von Johannes Wünscher, Vorstandsvorsitzender DBfK Nordost, auf LinkedIn: „Gen Z hat kein Bock? Von wegen! Was ich beim Junge Pflege Kongress erlebt habe, war das absolute Gegenteil!“
Hier geht es zu unserer Pressemitteilung und hier zum Nachbericht der MUL!
