Nachhaltigkeit

Wie hängen professionelle Pflege und Nachhaltigkeit zusammen und warum ist das ein Thema für den DBfK? Die Folgen der Klimakrise spüren wir alle schon lange: Hitzewellen, Extremwetterereignisse, Luftverschmutzung oder die Zunahme vektorübertragbarer Infektionskrankheiten (beispielsweise durch Mücken oder Zecken) beeinträchtigen die Gesundheit. Pflegefachpersonen sind in ihrer Arbeit mit diesen Auswirkungen konfrontiert, und sie sind einer Schlüsselrolle, wenn es um Prävention oder Therapie geht. Durch ihre Nähe zu vulnerablen Bevölkerungsgruppen können sie mit als erste einschätzen, welche Risiken für ihre Patient:innen oder Bewohner:innen bestehen, welche Anpassungsmaßnahmen sinnvoll sind und wann erweiterter Handlungsbedarf besteht. Pflegende können aber auch mit dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen im Gesundheitssektor zu senken, der mit rund fünf Prozent zu den ressourcenintensiven Sektoren in Deutschland gehört. 

Die Verpflichtung, sich für Nachhaltigkeit allgemein und besonders im Gesundheitswesen einsetzen, ergibt sich aus dem ICN Ethikkodex (2021):

„Pflegefachpersonen setzen sich gemeinsam dafür ein, die natürliche Umwelt zu erhalten, zu stärken und zu schützen. Sie sind sich der gesundheitlichen Folgen der Umweltzerstörung, z. B. aufgrund des Klimawandels, bewusst. Sie treten für Initiativen ein, die umweltschädliche Praktiken reduzieren, um Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern.“

Dieser berufsethischen Verantwortung sehen auch wir als DBfK uns verpflichtet. Nachhaltigkeit basiert in unserem Verständnis auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Nachhaltige Entwicklungen in der Pflege sollten also im Optimalfall sowohl die Umwelt schützen und Ressourcen schonen als auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Gleichzeitig muss eine nachhaltige Entwicklung im Gesundheitswesen und speziell in der Pflege sozial ausgestaltet und gerecht sein.

Aktiv für Klima und Umwelt: Die AG Nachhaltigkeit im DBfK

Wer wir sind und was wir wollen:

  • Wir sind: eine Gruppe von engagierten Mitgliedern, die sich nach Bedarf und Absprache via Telefonkonferenz, Zoom oder in Präsenz trifft.
  • Wir glauben: Pflege kann und muss klimafreundlicher werden und jede:r von uns kann etwas dazu beitragen.
  • Wir wollen: Pflegende für den Zusammenhang zwischen globalem Klimawandel und der eigenen Pflegepraxis sensibilisieren.
  • Wir erarbeiten: Handreichungen und Tipps für ressourcenschonenderes Arbeiten, die sich leicht umsetzen lassen.
  • Wir kooperieren: beispielsweise mit der Gruppe Pflegender bei Health for Future und mit anderen Akteuren aus diesem Bereich. Sprechen Sie uns an - auch, wenn Sie als beruflich Pflegende Lust haben, bei uns mitzumachen!
  • Wir informieren: hier auf dieser Seite und in Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Kontakt zur AG Nachhaltigkeit

Du interessierst dich für die Arbeit in der AG Nachhaltigkeit im DBfK oder möchtest selbst gerne mitarbeiten? Dann sprich einfach Katharina von Croy oder Ingo Böing an:

Katharina von Croy
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Vorträge und Videos aus unseren Veranstaltungen

"Klimawandel und Gesundheit - Hitzeanpassung im Gesundheitsbereich", Referentin: Dr. Julia Schoierer, Institut für Arbeitsmedizin der LMU München, zum Vortrag vom 23.09.2021
"Klimaschutz in der Pflege - wie geht das?", Referentin: Julia Maier, AWO, zum Vortrag vom 02.02.2022
"Klimaschutz in der Pflege - Praxistipps aus dem Projekt KLIK green", Referentin: Eva Loy, BUND Berlin e.V., zum Vortrag vom 02.02.2022

In diesem Video, das an der Katholischen Schule für Pflegeberufe Duisburg von dem Pflegepädagogen Tobias Plonka initiiert und umgesetzt wurde, geben Auszubildende Tipps und Anstöße für ein nachhaltigeres Handeln im Pflegeberuf.

Vortrag von Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)/Charité Berlin, vom 6. September 2022 zu Planetary Health


Welche Handlungsfelder gibt es im Gesundheitswesen?

Dazu stellt der "Lancet Countdown for Health and Climate Change Report" schon 2019 fest, dass die planetaren Belastungsgrenzen überschritten sind und deren Bewältigung die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist. Kein Land und keine Gesellschaft ist immun gegen die Gesundheitsfolgen des Klimawandels, die sich in erhöhter Krankheitslast in nahezu allen Fachgebieten der Medizin zeigen. In einem weiteren Policy Brief 2021 hat The Lancet drei Handlungsfelder für den deutschen Gesundheitssektor identifiziert:

Auch Deutschland ist immer häufiger von Extremwettereignissen betroffen, insbesondere von Hitzeperioden sowie Starkregen mit Überflutungen [1].

Eine RKI-Analyse zeigt, dass in Berlin die Hitzewellen (2006, 2015 und 2018) zu einer erhöhten Anzahl von Sterbefällen (rund 390, 310 und 490) geführt hat. Dabei liegt die Mortalitätsrate in den älteren Altersgruppen bei bis zu 50 % [2].

Die jährlichen CO2-Emissionen sind in Deutschland mit 9,2 Tonnen doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt [1]. Für 5 % dieser Treibhausgasemissionen ist der Gesundheitssektor verantwortlich [3].

Kliniken gehören zu den größten Energieverbrauchern in Deutschland: Ein Klinikbett verbraucht pro Jahr durchschnittlich so viel Energie wie zirka vier neuere Einfamilienhäuser [4].

Bislang gibt es keine Verpflichtung zu Wissensvermittlung von Aspekten des Klimaschutzes (Mitigation) und zur Klimafolgenanpassung (Adaptation) für Gesundheitsfachberufe [5].

Die aktuellen Ernährungs- und Landwirtschaftsformen, insbesondere der hohe Fleischkonsum, haben einen erheblichen Anteil an den Treibhausgasemissionen [6]. Ein erheblicher Teil der antibiotikaresistenten Erreger stammt bei aus der Massentierhaltung [7].
Pflanzenbasierte Ernährungsmuster tragen nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern wirken auch präventiv gegen ernährungsassoziierte Erkrankungen bzw. nichtübertragbare Krankheiten (NCD) [8].
Die Pollensaison verlängert sich um 20 Tage und die Pollenbelastung steigt insgesamt [9]. Die erhöhte Allergiebelastung wirkt sich auch negativ auf chronische Atemwegserkrankungen aus [10].
Die erhöhte Feinstaubbelastung (durch motorisierten Verkehr), stellt auch in Deutschland ein relevantes Gesundheitsrisiko dar: Nach Schätzungen sind bis zu 14 % aller Todesfälle bei Erwachsenen über 30 Jahren auf kardiopulmonale Erkrankungen und zirka 20 % aller krebsbedingten Todesfälle auf den Langzeit-Umweltstressor Feinstaub zurückzuführen [11].

Die unsachgemäße Entsorgung von Arzneimitteln trägt zur Verunreinigung der Umwelt bei [12, 13]. Für 20 % der Arzneimittel-induzierten Umweltbelastung sind Krankenhäuser verantwortlich, und fast die Hälfte aller Deutschen entsorgt zumindest gelegentlich Arzneimittel über das Abwasser [14].

Mehr zum Thema

Akteur:innen und Netzwerke:

Klimaneutraler Gesundheitssektor 2035 - eine Initiative von Praxen, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Apotheken, Krankenkassen und weiteren Einrichtungen: https://gesundheit-braucht-klimaschutz.de/

KLUG e. V. (Klimwawandel Und Gesundheit) - bundesweite Allianz mit Planetary Health Academy und viele Fachinformationen: https://www.klimawandel-gesundheit.de/

Health For Future - unter dem Dach von KLUG in einzelnen Ortsgruppen organisiert: https://healthforfuture.de/

Health Care Without Harm (HCWH) - europaweites Netzwerk aus dem Gesundheitssektor mit Nurses Climate Challenge: https://noharm-europe.org/articles/news/europe/nurses-climate-challenge-launches-europe

Viamedica Stiftung -  nachhaltige Balance zwischen Medizin, Mensch und Natur, verschiedene Kampagnen wie z.B. "Klimaretter" oder "Klinergie" und Materialien wie Energiesparfibel und Antibiotika-Pass:

ProVeg international (ehemals Vegetarierbund e. V.) - spendenbasierte Trainings und Workshops für Mitarbeitende von Gesundheitseinrichtungen:

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