10.04.2026
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe Südwest (DBfK Südwest) unterstützt, dass die Pflegekammer Rheinland-Pfalz die laufende Befragung nach den aufgetretenen technischen Problemen gestoppt hat. Die Diskussion um die abgebrochene Mitgliederbefragung darf aber den Blick auf das Wesentliche nicht verstellen: Die Pflegekammer ist und bleibt ein zentrales Instrument der pflegerischen Selbstverwaltung.
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe Südwest (DBfK Südwest) steht deshalb weiterhin klar zur Pflegekammer als Instrument, mit dem Pflegefachpersonen selbst die Verantwortung für Standards, Qualität und die Weiterentwicklung ihres Berufs übernehmen. Aus Sicht des Verbandes ist die Pflegekammer ein zentraler Baustein, um die pflegerische Versorgung der Bevölkerung fachlich mitzugestalten und Qualität verbindlich weiterzuentwickeln.
„Der DBfK Südwest steht seit vielen Jahren hinter der pflegerischen Selbstverwaltung. Daran ändert auch die aktuelle Debatte nichts. Gerade jetzt braucht es eine Pflegekammer, die verlässlich arbeitet, die Perspektiven der Pflegefachpersonen aufnimmt und von ihren Mitgliedern aktiv mitgestaltet wird“, erklärt Andrea Kiefer, Vorsitzende des DBfK Südwest.
Dass die Kammer dabei konkrete Aufgaben erfüllt, hat sich gerade in belastenden Versorgungssituationen gezeigt. In der Corona-Pandemie wurde über die Pflegekammer Rheinland-Pfalz ein Freiwilligen-Pool aufgebaut, um personelle Engpässe in Einrichtungen abzufedern. Dieser Pool wurde später auch nach der Flutkatastrophe im Ahrtal genutzt, um Pflegeeinrichtungen und Angebote der Eingliederungshilfe personell zu unterstützen. Auch darüber hinaus hat die Kammer in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen für die Profession geschaffen, etwa bei Fort- und Weiterbildung sowie bei der Entwicklung fachlicher Aufgabenprofile.
Die Debatte wurde aus Sicht des DBfK Südwest politisch zu stark auf eine Ja-nein-Frage über den Fortbestand der Pflegekammer reduziert. Dabei dient die Befragung der qualitativen Weiterentwicklung der Kammerarbeit. „Eine solche Verkürzung verschärft unnötig die Debatte und wird der Aufgabe der Pflegekammer nicht gerecht“, so Kiefer. Der DBfK Südwest geht davon aus, dass es nach der Kammerwahl mit einem neuen Vorstand eine erneute Befragung geben wird. Entscheidend wird sein, dass dieses Verfahren nachvollziehbar, verlässlich und ohne unnötigen Zeitdruck gestaltet wird.
In der öffentlichen Auseinandersetzung werde die Kammer derzeit häufig auf Schlagworte wie Mitgliedschaft, Beiträge oder einzelne Verfahrensprobleme reduziert. Das greife aus Sicht des DBfK Südwest zu kurz. Die eigentliche Frage sei, ob Pflegefachpersonen ihre beruflichen Angelegenheiten verbindlich selbst mitgestalten und Verantwortung für professionelle Standards, Fort- und Weiterbildung sowie die Weiterentwicklung der Versorgung übernehmen sollen. Die laufende Kammerwahl sieht der DBfK Südwest daher als Chance für Veränderung und aktive Mitgestaltung. Pflegefachpersonen sind aufgerufen, sich selber einzubringen und die zukünftige Ausrichtung der Kammer mitzugestalten.
„Wer eine starke pflegefachliche Stimme will, muss auch die Strukturen stärken, die genau das möglich machen. Die anstehende Kammerwahl ist deshalb die Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen und die weitere Entwicklung der Pflegekammer aktiv mitzugestalten“, so Kiefer.
Für den DBfK Südwest ist klar: Die richtige Antwort auf die aktuelle Debatte ist nicht, die Pflegekammer grundsätzlich infrage zu stellen. Erforderlich sind vielmehr Verlässlichkeit, Beteiligung und eine sachliche Weiterentwicklung der Selbstverwaltung im Interesse der Pflegefachpersonen und der Menschen in Rheinland-Pfalz.