Nah dran an den Menschen: Wie Community Health Nursing Versorgungslücken schließt

Interview mit Miriam Steens – und Ausblick auf den Pflegetag Niedersachsen

05.08.2026

Miriam Steens arbeitet im Rahmen eines Projekts als Community Health Nurse. Im Interview berichtet sie über ihre Erfahrungen und wie Community Health Nursing auf die Versorgungsbedarfe vor Ort einzahlt.

Sie sind seit Juli 2025 im Rahmen eines Forschungsprojekts als Community Health Nurse im Raum Bremervörde/Zeven unterwegs. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? 

Miriam Steens: Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich. Zu meinen Aufgaben gehören die drei Schwerpunkte Bedarfserhebung, die Beratung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen sowie Öffentlichkeitsarbeit. Dafür bin ich viel in der Projektregion unterwegs; meist mit dem Auto, da es sich um eine ländliche Region handelt. 

Ich führe Interviews und Beratungsgespräche überwiegend in der Häuslichkeit und arbeite insbesondere aktiv an der Vernetzung der Akteur:innen der regionalen Gesundheitsversorgung. Gerade diese Vielfalt macht die Arbeit als Community Health Nurse im Rahmen des Projektes mit dem Schwerpunkt Demenz besonders spannend. 

Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, Versorgungslücken aufzudecken. Welche Bedarfe bei den zu versorgenden Menschen begegnen Ihnen besonders häufig, bei denen Sie als Community Health Nurse einen Unterschied machen? 

Miriam Steens: Ein Thema, das mir immer wieder begegnet, ist der Wunsch nach mehr Informationen rund um das Thema Demenz. Häufig fehlt ein niedrigschwelliger Zugang zu verständlichen Informationen außerhalb des Internets. Gleichzeitig wünschen sich viele Angehörige den Austausch mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen. Es zeigt sich also ein Bedarf an verständlicher Wissensvermittlung und Orientierung. Dabei geht es auch darum, Unsicherheiten im Umgang mit Menschen mit Demenz abzubauen und den Austausch zu fördern. 

Sie entwickeln gemeinsam mit den Menschen vor Ort neue Unterstützungsangebote. Können Sie Beispiele nennen, wie aus einem konkreten Bedarf ein passendes Angebot entsteht? 

Miriam Steens: In den Interviews mit Angehörigen von Menschen mit Demenz wurde immer wieder der Wunsch nach niedrigschwelligen Informationen zum Thema Demenz geäußert. Gemeinsam mit lokalen Einrichtungen wie Tagespflegen, Pflegeeinrichtungen, Seniorenbeiräten und Kirchengemeinden wurden daraus Vorträge und Informationsveranstaltungen entwickelt. Diese finden in den verschiedenen Gemeinden der Projektregion statt und bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zu informieren, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. 

Community Health Nursing gilt als zukunftsweisendes Versorgungskonzept. Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit solche Angebote langfristig und flächendeckend etabliert werden können? 

Miriam Steens: Ich erlebe, wie Vertrauen und Strukturen im Rahmen eines Projekts entstehen können. Damit dieses Potenzial nicht mit dem Projektende verloren geht, wünsche ich mir, dass Community Health Nursing langfristig als fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung etabliert wird. Dafür braucht es neben verlässlichen Finanzierungsstrukturen und einer rechtlichen Verankerung auch die Bereitschaft der Akteur:innen der Gesundheitsversorgung, Community Health Nurses dauerhaft in bestehende Versorgungsstrukturen zu integrieren.

Infos zur Person

Miriam Steens
Miriam Steens

Miriam Steens ist Community Health Nurse (M.Sc.) im Rahmen des Projekts "Community Health Nursing für ein besseres Leben mit Demenz - für Betroffene und Angehörige im Raum Bremervörde/Zeven im Norden des Landkreises Rotenburg (Wümme)"

Auf dem Pflegetag Niedersachsen am 10. September in Hannover berichtet sie aus dem Projekt im Rahmen eines Themenblocks zu erweiterten Kompetenzen in der Praxis.

Alle Infos und Anmeldung auf:
www.pflegetag-niedersachsen.de

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