06.03.2026
Auch die neue Landesregierung aus SPD und CDU will wie ihre Vorgängerin alle Brandenburger Krankenhausstandorte als Orte der regionalen Gesundheitsversorgung erhalten. Ein stärkerer Fokus liegt nun auf der künftigen Form. Die scheidende Ministerin Britta Müller hat dafür den Begriff Poliklinik Deluxe geprägt. Der DBfK Nordost fordert den neuen Minister René Wilke auf, die Versorgungszentren interprofessionell statt arztzentriert zu denken.
Im fünften Kabinett Woidke übernimmt erstmals die SPD das Gesundheitsressort, als Teil eines neuen Superministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade letzteres kann sich für die professionelle Pflege im Land positiv auswirken. „Brandenburg ist dringend auf internationale Fachkräfte in den Gesundheitsberufen angewiesen. Dafür braucht es mehr Willkommenskultur und eine zügige Anerkennung internationaler Abschlüsse“, so Johannes Wünscher, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) in der Region Nordost.
Ein bundesweites Hindernis für die Gewinnung hochqualifizierter Pflegefachpersonen sind deren hierzulande stark eingeschränkte Befugnisse. Wünscher: „Mit neuen Polikliniken hat Brandenburg die Chance, Vorreiter bei einer wirklich interprofessionellen Primärversorgung zu werden. So wie sich Community Health Nurses in Luckau und Spremberg schon jetzt auch am Vorbild der Gemeindeschwester in der DDR orientieren, sollten die neuen Versorgungszentren in Perleberg und Wittstock mehr als den Begriff der Poliklinik übernehmen.“
Wie heute in nordischen Ländern üblich, waren Pflegefachpersonen in Polikliniken früher oft erste Anlaufstelle für Patient:innen. Neben der Ersteinschätzung koordinierten sie die weitere Versorgung und spielten eine wichtige Rolle in der Prävention, zum Beispiel bei Eltern-Kind-Programmen. In Deutschland gibt es heute zwar immer mehr für solche Tätigkeiten qualifizierte Pflegeexpert:innen, aber noch zu wenig geeignete Einrichtungen und Positionen, auch weil die Befugniserweiterung nur schleppend vorankommt.
„Die Modellregion Gesundheit Lausitz ist ein Inkubator für innovative Konzepte der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum und gibt der professionellen Pflege den Stellenwert, den sie landes- und bundesweit verdient. Einen Masterstudiengang für Pflegeexpert:innen, wie er bald in Cottbus startet, gibt es noch nicht einmal in Berlin“, so Wünscher weiter. „Wir sollten die künftigen Absolvent:innen unbedingt in Brandenburg halten, zum Beispiel mit angemessenen Stellen in den neuen Versorgungszentren oder als Community Health Nurses in allen Landkreisen, nicht nur im Rahmen von Modellprojekten.“