07.05.2026
In wenigen Politikfeldern agiert die Hauptstadt so abgeschlagen wie in der Gesundheits- und Pflegepolitik. Während die Bundesregierung gesetzliche Regelungen schafft, um die Kompetenz von Pflegefachpersonen besser zu nutzen, erproben andere Bundesländer längst innovative Formen der Gesundheitsversorgung. Am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden, lädt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordost um 17 Uhr in Berlin zu einem Vortrag mit Diskussion mit dem Titel „Kompetenz für Qualität – was starke Pflege konkret leistet.“
(Information & Anmeldung hier)
DBfK Nordost-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Katja Boguth (Alice Salomon Hochschule Berlin): „Pflege ist auch immer Therapie und nah am Menschen. Gerade bei sensiblen Themen wie Inkontinenz oder chronischen Wunden ist die Kompetenz der Berufsgruppe für Betroffene wichtig. Berlin sollte Vorreiter und nicht Bedenkenträger sein bei einer zeitgemäßen Gesundheitsversorgung mit erweiterten Befugnissen für die Pflege.“
Bereits am Mittag rufen junge und angehende Pflegefachpersonen zum „Walk of Care“ vom Invalidenpark über das Bundesministerium für Gesundheit zum Pariser Platz auf (Treffen ab 12, Start um 14 Uhr). Für ein gerechtes Gesundheitssystem fordern die Demonstrierenden unter anderem die Verankerung professioneller Pflege im Grundgesetz nach Schweizer Vorbild, die Selbstverwaltung des Pflegeberufs auf Augenhöhe mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen sowie Ausbildung statt Ausbeutung, zum Beispiel durch mehr Praxisanleitung und eine breitere Akademisierung, wie vom Wissenschaftsrat empfohlen.
„Wir haben Lust auf Pflege“, so Josephine Postzich aus der AG Junge Pflege im DBfK Nordost, „aber die Politik macht es uns schwer, den Beruf richtig auszuüben. Pflege ist ein Heilberuf, kein Hilfsberuf. Mehr Autonomie verbessert die Versorgung und steigert die Zufriedenheit. Aber stattdessen wird schon der Pflegenachwuchs oft in unterbesetzen Schichten verbrannt und vergrault. Dagegen demonstrieren wir.“
Aus Sicht der DBfK Nordost waren die vergangenen Jahre seit der (Wiederholungs-) Wahl eine verlorene Legislaturperiode für das Land Berlin. Der Verband veröffentlicht in den kommenden Wochen seine Forderungen zur Abgeordnetenhauswahl 2026 und fordert einen nachhaltigen Neustart der Gesundheits- und Pflegepolitik in der Hauptstadt statt der gewohnten „Projektitis“.