Befragung zeigt: Pflege will Verantwortung

DBfK veröffentlicht Ergebnisse der Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ zum Internationalen Tag der Pflegenden

12.05.2026

Professionell Pflegende stehen weiterhin zu ihrem Beruf, erleben ihn als sinnstiftend und sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wächst der Frust über fehlende Beteiligung, mangelnde Transparenz und unzureichende Anerkennung. Das zeigt die aktuelle Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), deren Ergebnisse anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden veröffentlicht werden.

Mehr als 3.000 beruflich Pflegende haben sich 2026 an der Online-Befragung beteiligt. „Die Ergebnisse zeigen sehr klar: Pflegefachpersonen wenden sich nicht von ihrem Beruf ab. Sie wenden sich gegen Bedingungen, unter denen professionelle Pflege dauerhaft an ihre Grenzen gebracht wird“, sagt DBfK-Präsidentin Vera Lux.

Die Befragung zeigt: 83 Prozent der Teilnehmenden ohne Leitungsverantwortung empfinden ihren Beruf als sinnstiftend. Zugleich stimmen nur rund drei Prozent voll und ganz der Aussage zu, dass die Kompetenz von Pflegefachpersonen gesellschaftlich anerkannt wird. 76 Prozent der Befragten sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Diese hohe Verantwortungsbereitschaft trifft jedoch auf Rahmenbedingungen, die Beteiligung strukturell ausbremsen.

Wechselbereitschaft und Ausstiegsgedanken nehmen zu

Auch die Wechselbereitschaft steigt: 20 Prozent der Pflegefachpersonen ohne Führungsverantwortung haben in den vergangenen zwölf Monaten mehrmals wöchentlich oder täglich darüber nachgedacht, den Arbeitgeber zu wechseln. 16 Prozent dachten ebenso häufig daran, den Pflegeberuf ganz aufzugeben. Besonders kritisch bewerten die Befragten ihre Arbeitsauslastung und fehlende Wertschätzung durch Arbeitgeber und Führungspersonen. Die Zusammenarbeit im Team wird im Vergleich deutlich positiver bewertet. Für den DBfK ist das ein wichtiges Signal: Das Problem liegt nicht in der Pflege selbst oder in den Teams, sondern in den Strukturen, unter denen Pflege organisiert wird.

Deutlich wird der Bedarf nach struktureller Veränderung auch beim diesjährigen Schwerpunkt zum Thema Führung: Zwar erleben viele Befragte Handlungsspielräume, zugleich kritisieren sie fehlende Transparenz, mangelhafte Konfliktlösung und zu wenig Veränderungskultur. Nur 22 Prozent stimmen zu, dass Veränderungen in ihrer Organisation gemeinsam und partizipativ gestaltet werden.

Pflegebudget begrenzen? Ein Rückschritt zur Unzeit

Besonders relevant sind die Ergebnisse der Befragung vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Debatten. Krankenhausreform, Pflegepersonalbemessung, Primärversorgung und die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung werden derzeit politisch neu verhandelt. Aus Sicht des DBfK darf dabei nicht erneut über Pflege entschieden werden, ohne Pflegefachpersonen verbindlich einzubeziehen.

Das zeigt sich auch beim vertieften Blick auf das Pflegebudget. Hier wird deutlich: Das Pflegebudget wird von Teilnehmenden mit Budgetverantwortung und Führungsfunktion in der Pflege überwiegend als sinnvoll und wirksam bewertet. Es schafft Spielräume für pflegerische Kernaufgaben, Professionalisierung, Rollenentwicklung und Innovation.

Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Beteiligung der Pflege an Budgetverhandlungen gering: Nur 15 Prozent der Befragten mit Führungsfunktion geben an, direkt an Verhandlungen zum Pflegebudget beteiligt zu sein. „Das Pflegebudget ist nicht das Problem. Problematisch ist, dass sein Potenzial noch immer nicht konsequent genutzt wird“, so Vera Lux vor dem Hintergrund der im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplanten Deckelung des Pflegebudgets. „Hier werden nicht ‚abstrakte Kosten‘ begrenzt, sondern konkret die Entwicklungsmöglichkeiten der Pflege: bessere Personalausstattung, Entlastung, Digitalisierung, neue Rollenprofile und die Weiterentwicklung professioneller Pflege. Das wäre ein Rückschritt zur Unzeit.“

Appell: Pflege muss Mitgestalterin von Versorgung werden

Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai richtet der DBfK deshalb einen klaren Appell an Politik und Einrichtungen: Wer die Versorgung sichern will, muss Pflege als Profession stärken. „Pflege darf nicht länger nur Gegenstand politischer Entscheidungen sein“, sagt Lux. „Sie muss Mitgestalterin von Versorgung werden – im Krankenhaus, in der Langzeitpflege, in der ambulanten Versorgung und in der Primärversorgung. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Die professionell Pflegenden sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt müssen Politik und Arbeitgebende endlich die Strukturen schaffen, damit sie das auch können.“

Über die Befragung:

Die Online-Befragung „Pflege, wie geht es dir?“ wird seit 2024 jährlich vom DBfK durchgeführt. Teilnehmen konnten 2026 vom 1. März bis 6. April alle beruflich Pflegenden, unabhängig von einer DBfK-Mitgliedschaft. Insgesamt beteiligten sich 3.003 Personen. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, bildet aber als jährlich wiederkehrendes Stimmungsbarometer zentrale Entwicklungen in der professionellen Pflege ab.

Ausführliche Ergebnisse der Befragung 

Kurzversion 

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