11.06.2026
Der Pflegeinfrastrukturbericht des Saarlandes zeigt den Handlungsdruck deutlich: 2023 lebten im Saarland 80.351 pflegebedürftige Menschen. 68.683 von ihnen wurden zuhause versorgt – 85,5 Prozent. 46.358 Menschen bezogen Pflegegeld und wurden damit wesentlich in privaten Pflegearrangements unterstützt.
„Häusliche Pflege ist im Saarland, so wie im gesamten Bundesgebiet, nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Daraus darf aber nicht folgen, dass Pflege weiter in Familien und private Netzwerke verschoben wird. Wer Versorgung zu Hause sichern will, muss professionelle Pflege dort stärken, wo Menschen leben“, sagt Andrea Kiefer, Vorsitzende des DBfK Südwest.
Der DBfK begrüßt, dass das Saarland Pflege mit dem Bericht als Infrastrukturaufgabe beschreibt und weitere Schritte wie die Landesstrategie „Saar66“, wohnortnahe Unterstützungsangebote und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung benennt. Entscheidend ist nun, diese Schritte pflegefachlich auszugestalten.
Nachbarschaftshilfe, Beratung und kommunale Angebote können entlasten. Sie ersetzen aber keine professionelle Pflege. Pflegebedürftige Menschen und Angehörige brauchen verlässlichen Zugang zu pflegefachlicher Einschätzung, Beratung, Prävention, Begleitung und Versorgungskoordination.
Eine zentrale Rolle sollten dabei Community Health Nurses (CHN) übernehmen. CHN sind akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen, die wohnortnah präventiv, beratend und koordinierend arbeiten.
„Community Health Nurses können Pflegebedürftigkeit vermeiden oder verzögern, chronisch kranke Menschen begleiten, Angehörige entlasten und Versorgungsbrüche verhindern. Genau diese Kompetenz wird gebraucht, wenn immer mehr Menschen zuhause versorgt werden. International sind solche Rollen längst etabliert. Deutschland muss sie nicht weiter erproben, sondern regelhaft finanzieren und in die Versorgung integrieren“, so Kiefer.
Vor diesem Hintergrund unterstützt der DBfK Südwest die Kritik des saarländischen Gesundheitsministers Dr. Magnus Jung an der Sparlogik des PNOG-Entwurfs. Wenn häusliche Pflege im Saarland der Regelfall ist, treffen Leistungseinschränkungen, spätere Entlastungen und zusätzliche Hürden genau diese Versorgungsrealität.
„Es reicht nicht, Pflegebegleitung ins Gesetz zu schreiben und gleichzeitig frühe Unterstützung zu schwächen. Das Saarland hat die Daten. Die politischen Schritte müssen nun folgen: professionelle Pflege verbindlich vor Ort verankern – mit Community Health Nurses, klaren Zuständigkeiten und verlässlicher Finanzierung“, so Kiefer.